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Meine Freundin ist esssüchtig, was kann ich tun?

Was können wir tun, wenn eine Person in unserem unmittelbaren an Esssucht leidet, beispielsweise eine gute oder gar die beste Freundin? Zu einem verwandten Thema habe ich bereits folgenden Blog-Artikel geschrieben: „Hilfe, meine Tochter hat Esssucht“. Heute möchte ich ein paar mehr Gedanken dazu ausführen.

Kunst in Dublin_1

Vielleicht kennen Sie den Spruch : „Man kann ein Pferd zur Tränke führen, aber trinken muss es von alleine.“ Heißt: Ihre Freundin muss einsehen, dass es Handlungsbedarf gibt und sie muss den Weg der Heilung selbst beschreiten.  Wenn ihre Freundin nicht gewillt ist, sich für einen Lösungsweg zu öffnen oder gar irgendetwas von sich Preis zu geben, dann kann selbst der beste Therapeut oder die beste Therapeutin wenig ausrichten.

Dies zu wissen ist wichtig und gleichzeitig herausfordernd. Denn natürlich sorgen wir uns um das Wohlergehen unserer Freundin. Wenn wir glauben zu wissen, wo das Problem liegt, möchten wir, dass sie sofort entsprechende Schritte setzt. Doch so einfach wie es aussieht ist es meist nicht. Es könnte sein, dass Sie ähnliches von sich selbst kennen. Vielleicht hielten Sie an einer Beziehung fest, von der Ihre Freundinnen bereits wussten: „Das wird nichts.“. Oder Sie beschritten einen falschen Weg, obwohl Sie andere davor warten. In beiden Fällen mussten Sie Ihre eigenen Erfahrungen machen, in Ihrem Tempo.

Ähnlich ist es bei der Esssucht oder bei anderen Krisen: Wir können nur so rasch gehen, wie es uns selbst möglich ist. Doch nur daneben zu stehen und zu warten, bis die Freundin so weit ist, ist natürlich sehr schwierig bis unmöglich und kann uns zuweilen das Herz zerreißen vor lauter Sorge. Was also tun?

Informieren Sie sich über Esssucht: Womit genau hat Ihre Freundin zu kämpfen? Besonders wichtig zu wissen ist hier, dass es nur oberflächlich gesehen um das Essen oder nicht Essen geht. In Wahrheit geht es um andere Dinge, die dahinter stecken, beispielsweise um das beißende Gefühl, nicht schön oder gut genug zu sein oder um die sogenannte toxische Scham. Die Stimmungsschwankungen, die viele Esssüchtigen haben, können Teil des Symptoms sein und manchmal ist es gut, diese als Freundin nicht allzu persönlich zu nehmen. Über Esssucht gibt es zahlreiche Bücher (ab Juni 2015 auch eines von mir, übrigens) und Infos im Internet.

Es gibt keine schnelle Lösungen: Esssucht ist etwas Komplexes, es ist also mit einem Ratschlag, mit einem Gespräch und auch mit zehn Gesprächen nicht getan. Der Ausstieg aus der Esssucht dauert mitunter Jahre. Dies im Hinterkopf zu behalten ist sehr wichtig, damit Sie keine zu hohen Erwartungen an Ihre Freundin haben. In den meisten Fällen braucht es die Unterstützung einer Psychotherapie.

Stärken Sie sich selbst: In der Psychologie gibt es den Begriff der Co-Abhängigkeit. Ich finde es wichtig, darüber Bescheid zu wissen. Sie finden dazu einiges im Internet. Bei der Begleitung von einer Freundin mit Esssucht geht es darum, auf die eigenen Grenzen zu achten und es geht um die Frage: „Wie viel bin ich bereit zu geben?“, „Wie viel bin ich bereit auszuhalten?“. Wenn Sie sich beim Helfen und Sorgen total verausgaben, sich alles gefallen lassen, ihre Grenzen total missachten und am Ende seelisch zusammenbrechen, dann hat niemand etwas davon. Wichtig finde ich es, sich selbst immer wieder zu erinnern: „Ich kann den Weg nicht für dich gehen, das musst du selbst tun.“ Und: Sie sind die Freundin, nicht die Psychotherapeutin. Außerdem geht es um Mitgefühl, nicht um Mitleid. Ihnen darf es gut gehen, selbst wenn Ihre Freundin momentan in einer Lebenskrise steckt.

Das wichtigste ist die Liebe: Die meisten Esssüchtigen schämen sich für das, was sie sind und für ihr verdrehtes Essverhalten. Hier ist es heilsam, wenn Sie signalisieren können: „Du bist mehr als dein Essverhalten, ich mag den Menschen, der du bist.“.

Die eigene Sorge zugeben: Wir können der Freundin nichts aufdrängen, aber was wir sehr wohl können ist, unsere eigene Sorge zum Ausdruck zu bringen: „Ich habe das Gefühl, dass es dir nicht gut geht. Ich mache mir Sorgen um dich.“ oder „Ich habe das Gefühl, dass du ein Problem mit dem Essen hast, aber du streitest das ab. Das respektiere ich. Doch meine Sorge bleibt. Und um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mehr, wie ich reagieren soll.“ Sie dürfen zugeben, wenn Sie sich hilflos fühlen „Ich würde dir gerne helfen, weiß aber nicht wie. Ich weiß nicht mehr, wie ich mir dir gegenüber verhalten soll.“

Wie geht es dir wirklich? Frauen mit Esssucht bemühen sich sehr, nach außen hin gut zu funktionieren, was viel Kraft kostet. Da kann es gut tun, wenn signalisiert wird: „Ich interessiere mich dafür, wie es dir wirklich geht. Entscheide du, ob du mir das erzählen möchtest. Ich bin für dich da.“

Sich mit Ratschlägen zurückhalten: Wenn Ihre Freundin das Thema vermeidet, werden „kluge“ Ratschläge vermutlich ins Leere gehen. Hier könnte es eine Möglichkeit sein, Ihrer Freundin ein Buch zu schenken, von dem Sie meinen, dass es hilfreich sein könnte: „Ich gebe dir diese Buch, weil ich mich um dich sorge und mich vieles, was darin steht an dich erinnert. Vielleicht magst du es lesen. Falls das Buch nichts für dich ist, dann schenk es einfach weiter.“

Überforderung zugeben: Wenn Sie überfordert sind mit der Situation, dann dürfen Sie das zugeben. Wenn Ihre Freundin beispielsweise immer von den selben Problemen mit dem Essen redet, dann dürfen Sie Ihre eigenen Grenzen wahren und bemerken: „Es geht nun schon zum x-ten Mal um genau dieses Thema. Ich hab dich lieb, aber ich weiß nicht, wie ich dir helfen kann und das macht mich sehr unglücklich. Ich glaube langsam wirklich, dass dir eine Psychotherapeutin hier besser helfen kann als ich.“

echte Mails von echten Frauen

Ca. vier Wochen nach unserem März 2014 Workshop „Wege aus dem Esszwang“ haben wir an unsere Teilnehmerinnen folgende Mails ausgeschickt:

Liebe Frauen,

unser gemeinsamer Workshop ist nun schon ein gutes Monat her. Wir sind dankbar für die Öffnung und die Überwindung der Scham, die wir in den zwei Tagen miterleben durften.

Wir möchten Euch nun die Möglichkeit geben mitzuteilen, wie es Euch nach dem Workshop ergangen ist.

Dabei ist es uns besonders wichtig, einen liebevollen Blick auf diese Zeit zu werfen. Also lasst uns den Fokus darauf lenken, was gut läuft und wo es Entwicklungspotential gibt:

1.) Was habe ich seit dem Workshop für mich getan, was hat mir gut getan (ganz gleich wie klein die Aktion war)?
2.) Gibt es etwas, das sich seit dem Workshop für mich verändert hat?
3.) Wenn ich mich an den Workshop erinnere:
Gibt es etwas, das ich spannend fand und in den nächsten Wochen gerne noch ausprobieren / weiterführen möchte?
4.) Welches konkrete Thema (Lebensthema?) möchte ich als nächstes angehen? Was genau möchte ich da tun?
5.) Wobei brauche ich Hilfe? Von wem?
6.) Was ist mir noch wichtig zu sagen?

Achja: Ich freue mich über jedes „like“ auf meiner „aivilo – ankommen im Körper“ Facebook Seite und über jede weitere Blog Abonnentin!

Also dann … wir freuen uns auf Eure Mails!

Liebe Grüße,
Olivia & Claudia

Ich finde es wichtig, andere Frauen zu unterstützen, indem sie ehrliche Rückmeldungen von echten Frauen lesen können. Reduktion der Scham indem man zeigt: Ja, es ist schwer, trotzdem bin ich am Weg, geben wir nicht auf. Weiters ist es uns wichtig, dass unsere Workshops „Wege aus dem Esszwang“ mit einer guten Portion Realismus gebucht werden. Will heißen: Es ist ein Stück auf dem Weg, vielleicht sogar eine schönes großes Stück, aber es ist keine Spontanheilung.

Hier darf ich drei der Antwortmails veröffentlichen. Mit […] sind Stellen markiert die ich zwecks Anonymisierung herausgenommen habe.

Vielleicht ermuntert dieser Blogeintrag ja auch noch andere Teilnehmerinnen zu berichten. Gerne auch welche von anderen Workshops, wäre schön!

Mail 1:

Liebe Olivia, liebe Claudia!
Ich hoffe euch geht es gut. Mir gehts ausgezeichnet. Anbei meine Antworten auf eure Fragen.

1.) Ich zähle nicht mal mehr Kalorien.
2.) Das Gefühl noch irgendwas zu versäumen wenn ich jetzt nicht Esse ist total weg. Ich habe auch keine Angst mehr nicht satt zu werden. Ich habe keine Angst mehr einen Essanfall zu bekommen weil ich keinen mehr bekomme, mir vertraue dass es so sein wird (weil ich es in den letzten Monat jeden Tag so erlebt habe) und daraus resultierend keine Angst mehr vor einem Kontrollverlust. Ich muss mich aber auch nicht zur Kontrolle zwingen denn ich vertraue mir und jetzt auch meinem Körpergefühl. Vertrauen heißt nicht kontrollieren und Disziplin zu haben … Vertrauen ist das Gegenteil von Angst und für ein „gelingendes“ Leben unabdingbar.
3.) Ich werde weiterhin Körperreisen machen.
4.) Fürs erste bin ich nach vielen Jahren Therapie und Wille/Mut fertig mit der Aufarbeitung/Neubewertung und Eingliederung meiner „Altlasten“. Mein neues Lebensthema ist mein Baby das im […] auf die Welt kommen wird.
5.) Da werde ich am Anfang Oma und Opa um Hilfe bitten 🙂
6.) Ich hab mich in den zwei Tagen sehr wohl gefühlt und alle soooo dringlichen Fragen haben sich nach dem Workshop von ganz alleine beantwortet. Ich denke dass ist u.a. eure „Taktik“ – und die funktioniert 🙂

Ich wünsche euch weiterhin alles Liebe und Gute und bin unendlich Dankbar, dass ihr den Workshop anbietet. Er ist eine großartig Hilfe auf dem Weg aus dem Irrgarten der Esssucht.

Herzliche Grüße

Meine Antwort auf Mail 1:

Liebe […],

vielen Lieben Dank dass Du Dir die Zeit genommen hast uns zu schreiben und vielen Dank für Deine wertschätzenden Worte!

Deine Mail klingt nach Frieden mit Dir selbst und danach, dass sich alle Deine Erfahrungen zu einem runden Ganzen zusammengefügt haben. Ich finde sehr schön, was Du über Vertrauen geschrieben hast! Ja, die Erfahrung habe ich auch gemacht, dass es sich mit Vertrauen viel einfacher lebt 🙂

Ich möchte Dir gerne noch einen Satz mitgeben, den ich letztens im Buch von Brene Brown gelesen habe: „Wer wir sind und die Art, wie wir uns verhalten, haben mehr Einfluss darauf, wie gut unsere Kinder dereinst zurechtkommen werden, als das, was wir theoretisch über Beziehung wissen. (http://www.aivilo.at/2014/04/11/verletzlichkeit-macht-stark/)

In diesem Sinne hast Du die besten Voraussetzungen für Dein neues Lebensthema 🙂

Ich wünsche Dir alles alles Gute für die letzten Schwangerschaftswochen und die Zeit danach!

Herzliche Grüße,
Olivia

Mail 2:

Liebe Olivia, liebe Claudia!

Nochmals danke für den tollen Workshop. Ich denke so gerne an die 2 Tage zurück.

Ich lese mir auch den Schriftenband von Zeit zu Zeit durch. Positiv verändert hat sich
meine Einstellung zum Essen von „ früher verbotenen Lebensmittel“. Ich versuche diese Köstlichkeiten zu genießen und kein schlechtes Gewissen mehr zu haben. Der Körper verlangt anscheinend danach und ich gebe es ihm.

Spannend fand ich auch die Körperreisen, das bewusste Atmen.

Es hat seit dem Workshop natürlich den einen oder anderen Essanfall gegeben. Aber ich habe ihn gebraucht. Manchmal weiß ich eben nicht, wie ich mit meinen Gefühlen ( meistens negativen ) umgehen soll. Da hilft nun mal Essen. Aber ich versuche es jeden Tag besser zu machen.

Olivia, dir habe ich ja von meiner nicht ganz einfachen privaten Situation erzählt.
Zur Zeit bin ich beruflich auch wieder sehr eingesetzt. Freie Wochenende gibt es zur Zeit leider keine. Ich versuche bei einen Wannenbad oder einen guten Film zu entspannen.

Ich überlege sogar den nächsten Workshop im November auch zu besuchen.

Ich freue mich schon sehr auf die kommende Shiatsu Stunde.

Mit lieben Grüßen

Meine Antwort auf Mail 2:

Liebe […]

vielen lieben Dank für Deine Email und dass Du Dir die Zeit genommen hast zu antworten, wo doch Deine Zeit sehr knapp bemessen ist. Es klingt, als ob Du wesentlich netter mit Dir selbst umgehst!

Ja, wir haben alle Phasen in unserem Leben, wo es „ruckelt“, das lässt sich nicht vermeiden, das ist das Leben, umso wichtiger ist es in diesen Phasen besondern lieb zu uns zu sein.

Negative Gefühle sind völlig normal. Die ewig-immer-nur-glückliche-strahlenden-Menschen gibt es sowieso nur in der Werbung oder auf den Boulevard Seiten 😉

Bei dem Umgang mit den negativen Gefühlen könnte Dir die EmotionalKörper-Therapie helfen. Da geht es darum sich in seiner Ganzheit anzunehmen, mit allen Gefühlen die da sind. Fühlen bedeutet alle Gefühle zu spüren. Wir wünschen uns, nur das Positive zu fühlen und alles andere nicht. Das geht aber nicht. Wir können nur das ganze Paket haben. Also fühlen oder nicht fühlen. Wir können uns nicht aussuchen, was wir zu fühlen haben. Die sogenannten negativen Gefühle sind meist wertvolle Wegweiser oder Alarmsignale, die gerne gehört und beachtet werden. Ebenso dürfen unsere sogenannten positiven Gefühle ebenso mit Dankbarkeit angenommen. Wenn wir nicht mehr fühlen sind wir gefühllos, wer möchte das schon sein?!

Ich wünsche Dir, dass Du bald eine Möglichkeit zum Verschnaufen findest. Spätesens beim nächsten Shiatsu 🙂 und vielleicht beim nächsten Workshop im November, wir würden uns sehr freuen wenn Du wieder dabei wärst 🙂

Liebe Grüße,
Olivia

Mail 3:

Hallo,

1.) Ich habe mit [neuer Sportart] begonnen und gemeinsam eine Reise nach […] mit einer Freundin gebucht, die wir im Sommer machen werden.
2.) Ich hatte nach dem Workshop noch Ess-Brechanfälle, habe es seit dem Workshop aber auch einmal 18 Tage ohne Ess-Brechanfall geschafft und hoffe, dass ich es bald wieder ähnlich lange schaffen kann.
3.,4.) Ehrlich gesagt versuche ich momentan nur jeden Tag irgendwie zu überstehen, wenn möglich ohne Ess-Brechanfall. Ich denke nicht mehr wirklich an den Workshop und habe nicht die Energie, an irgendetwas Speziellem zu arbeiten. Aus dem Bett zu kommen und mein tägliches Leben zu meistern ist momentan genug Herausforderung. Also vielleicht wäre gerade diese Energielosigkeit etwas, das ich angehen könnte.
5.) Mir wurde von mehreren Seiten geraten, mir bzgl. Antriebslosigkeit, destruktiven Gedanken etc. psychiatrische Unterstützung (evtl. Medikamente) zu suchen. Evtl. werde ich das machen. Das Thema Therapiewechsel steht nach wie vor immer wieder im Raum, jedoch kann ich mich auch dazu momentan nicht richtig aufraffen.

Meine Antwort auf Mail 3:

Liebe […],

vielen lieben Dank für Deine Mail und vielen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast! Ich habe Dich und Deine Geschichte noch sehr präsent vor mir und freue mich sehr von Dir zu lesen! Ich fand es sehr berührend, wie Du Dich öffnen und mitteilen konntest und ich glaube, dass Du damit viele Gefühle der anderen Frauen mit ausgedrückt hast.

Wow, da hat sich ja einiges bei Dir getan!

Reise nach […] und [neue Sportart]! Klingt als ob Du Dir da zwei lange Wünsch erfüllt hättest!

Zum Thema Therapie kann ich Dir Doris Nowak-Schuh empfehlen. Ich arbeite seit Jahren mit ihr zusammen. Meine Erfahrung ist: Wenn die richtige Zeit da ist, dann kommt auch die Energie sich aufzuraffen. 🙂

Wegen Deiner Erschöpfung möchte ich Dir gerne folgende Impulse mitgeben: Wenn Du Dein Leben über lange Strecken ohne Ess-Brechanfall schaffst, so stellst Du Dich vielen Gefühlen, die Du früher „einfach“ weggekotzt hast. Das I-S-T anstrengend und ermüdend. Vielleicht geht es nun darum, noch mehr liebevoll zu Dir zu sein. Stolz auf Dich zu sein, dass Du wesentlich weniger brichst. Stolz auf Dich zu sein, dass Du Dein Leben schaffst. Und vielleicht geht es darum, nach Feierabend richtig richtig lieb zu Dir sein und Dir zu erlauben erschöpft zu sein.

Es kann auch sein, dass Du durch die früheren Brechanfälle körperlich, also physisch erschöpft bist. Hier kann die TCM Kräuterkunde sehr gut helfen. Ich persönlich habe mit www.akupunktur-leitner.at sehr gute Erfahrung gemacht. Da bekommt man Kräuter verschrieben, die man als Tee trinken oder als Tablette einnehmen kann und die bauen die Substanz auf.

Ich wünsche Dir alles alles Liebe für Deinen Weg! Falls Du mal das Bedürfnis nach Körperarbeit hast, Du weißt ja, wo Du mich findest.

Ich schicke Dir herzliche Grüße,
Olivia

Eine Schülerin hat Esssucht – was tun?!

Schule_UnterrichtLetztens erreichte mich die Anfrage einer Lehrerin: Eine Schülerin leidet an offensichtlichem Untergewicht. Eine Mitschülerin konnte beobachten, dass besagte Schülerin Essen erbettelte und dieses danach auf der Toilette erbrach.

Die daraufhin eingeschaltete Schulärtzin konnte nichts erreichen, das Mädchen blockte alle Gespräche ab. Auch das Gespräch mit der Mutter verlief ergebnislos, diese meinte es gäbe kein Problem.

Was also tun?

Hier meine Antwort:

Dazu ist zu sagen: Schwierig!! Vielleicht kennen Sie den Satz: Man kann ein Pferd zur Tränke führen, aber trinken muss es selbst. Heißt im übertragenen Sinn: Da sein, Hilfe anbieten, aber innerlich wissend, dass das Mädchen selbst danach greifen muss. 

(außer natürlich wenn der Zustand des Mädchens lebensbedrohend ist, da gilt es rasch zu handeln)

Wir können mehr auf dieser Welt bewirken als wir denken, v.a. mit ein bißchen Liebe für unsere Mitmenschen, auch und gerade wenn wir das Gefühl haben auf Mauern zu stoßen. Aber wie immer beim Helfen ist auch hier besonders wichtig: Auf die eigenen Grenzen achten. Gut darauf schauen: Wie viel kann und möchte ich geben.

Es gibt ein Buch, das ich Ihnen empfehlen kann: http://www.aivilo.at/2012/08/07/iss-doch-endlich-mal-normal/

Eine Möglichkeit, wäre eine allgemeine Aufklärung über Esssucht für alle Schüler/innen zu starten. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit eines übergeordneten Schulprojekts!

Es gibt dazu ein interessantes pdf von http://www.bzga.deEssstörungen Leitfaden für Eltern, Angehörige und Lehrkräfte. Ab Seite 99 wird auf Ihre Frage eingegangen.

Anregungen für Schulprojekte gibt es auf http://www.essstoerungshotline.at/schulpraevention/ und bei
www.fem.at z.B. http://angebote.femsued.at/index.php?

Ich hoffe Ihnen damit geholfen zu haben und wünsche Ihnen und Ihrer Schülerin alles Gute!

wir leben wovon wir reden

melangeWie bereiten sich Iris Lasta und ich auf den nächsten Workshop „Essanfälle ade“ vor?

Ganz einfach indem wir das leben, was wir im Workshop mit unseren Teilnehmerinnen üben:

Wir schauen bei unseren Vorbereitungstreffen gut auf unsere Bedürfnisse, indem wir unsere gemeinsame Zeit genau dort verbringen, wo wir wirklich sein möchten. Wir geben uns Zeit und Raum um zu spüren, welche kulinarischen Genüsse zu unserer Stimmung passen und genießen diese. Wir stehen bei unseren Treffen zu dem was wir sind. Launen dürfen sein wie sie gerade sind, wir teilen, was uns gerade beschäftigt, ohne zu werten. Alles darf sein. Wir müssen nichts darstellen, was wir im Moment nicht sind. Es dürfen auch miese Laune sein oder Müdigkeit, genauso wie Unrast oder Fröhlichkeit. Das ist herrlich und gibt letztendlich viel Energie!

Der Ausstieg aus der Esssucht fängt damit an, auf unsere Bedürfnisse im Alltag zu achten, sodass es irgendwann nicht mehr notwendig ist, mit Hilfe von Fressanfällen Raum für sich zu nehmen.

Hier finden Sie alle Infos zum Workshop „Essanfälle ade“

Impressionen Workshop 16./17. Nov.

Hier ein paar Impressionen vom Workshop „Stopp den Esszwang“. Es waren wieder viele schöne, interessante, intensive gemeinsame Stunden und Begegnungen. Da uns die Vertraulichkeit wichtig ist, veröffentlichen wir auch diesmal selbstverständlich keine Bilder unserer Teilnehmerinnen.

Doch folgende Stimmen aus dem Workshop möchten wir gerne teilen:

Danke für …

… Professionelle Vorbereitung und Durchführung, trotzdem mit Herz
… liebevollen Worte bei den Körperübungen
… die Ehrlichkeit
… Eure Offenheit
… Vertrauen
… die tolle Zeit
… Offenheit von Olivia über eigene Geschichte und Probleme zu erzählen
… für das Schaffen einer angenehmen und sicheren Atmosphäre
… Gespräche
… Ehrlichkeit und Selbstoffenbarung
… Olivias Zitat „… und Punkt“
… sehr viele gute Tipps
… eure Wertschätzung
… neue Erfahrungen
… schönes Wochenende mit vielen neuen und sehr lieben Menschen

P.S. Danke wiedermal an Manfred Helmer für die Fotos!

Selbsttest: Bin ich esssüchtig?!

vreboten_erlaubt-Längsformat_kleinSeit einiger Zeit schon gibt es auf der aivilo Seite den Selbsttest: Bin ich esssüchtig?

Der aivilo Test besteht aus 50 Fragen und wird Ihnen Klarheit verschaffen, ob Sie (bzw. eine Freundin oder Angehörige) unter Esssucht leiden.

Durch das wache Auge meines lieben Bruders Thomas Wollinger ist uns aufgefallen, dass durch eine Umgestaltung im Blog die Verlinkungen im Test ins Nichts führten, d.h. die Auswertungen waren nicht zu lesen. Dafür entschuldige ich mich.

Der Test sollte nun wieder korrekt funktionieren und somit vielen Menschen Klarheit bringen. Denn der erste – und vielleicht auch schwierigste – Schritt aus der Esssucht ist es, sich einzugestehen: Ja, ich habe Esssucht.

 

 

Esssucht und Selbsthass: Wie die EmotionalKörper-Therapie helfen kann

Der Weg aus der Esssucht ist vielfältig, manchmal bunt, manchmal grau … doch was uns immer wieder begegnet ist die Aussage „Es ist wichtig sich selbst zu lieben.“

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Dieser Satz löst bei vielen ein resignierendes Lächeln aus: „Wie soll ich denn das, was ich so verabscheue (nämlich mich) nur ansatzweise irgendwann irgendwie lieben können?!?!“ Bei diesem scheinbar unlösbaren Rätsel kann die EmotionalKörper-Therapie wirksam helfen.

Wie kann die Emotionalkörper-Therapie (EKT) helfen?

Wenn ich mich jahrelang, vielleicht sogar jahrzehntelang verabscheut habe, so werde ich das nicht von heute auf morgen ändern können. Es braucht Zeit und Übung, es ist ähnlich wie beim kleinen Einmaleins: Je öfters ich mit der EKT übe, mich anzunehmen wie ich bin, desto besser gelingt es mir mit der Zeit. 

In der EKT lernen wir, unsere schwer aushaltbaren Gefühle anzunehmen wie sie sind. Sie sein zu lassen statt sie weghaben zu wollen. Zu akzeptieren, dass sie Teil von uns sind, statt uns dafür zu hassen. Wir geben diesen Gefühlen Aufmerksamkeit, statt sie mit einem Essanfall zu verdrängen. Schwer auszuhaltende Gefühle gibt es in Zeit der Esssucht eine Menge wie beispielsweise: Sich fett fühlen; sich fühlen wie unter Watte; sich unsicher, unnötig fühlen; sich unglücklich, einsam, leer fühlen; sich zum Kotzen fühlen; sich gar nicht fühlen.

In der EKT lernen wir alle Gefühle anzunehmen, wie sie sind. Egal ob sie das Etikett „positiv“ oder „negativ“ tragen. Wir hören ihnen zu, denn jedes Gefühl hat seine Daseinsberechtigung. Wenn wir unsere Gefühle annehmen wie sie sind, lernen wir letztendlich uns selbst anzunehmen wie wir sind.

Wie kann man die EKT lernen oder anwenden?

  • Die EKT können Sie als Einzelsitzung buchen. Mit der EKT lernen Sie sich anzunehmen wie Sie sind und die Botschaft hinter Ihren Gefühlen zu hören. Das, was wir versuchen mit der Sucht zu verdrängen, bekommt hier Gehör.
  • Elemente der EKT lasse ich beim Spüren lernen einfließen. Die EKT hilft Ihnen, Körperteile zu spüren und anzunehmen wie sie sind. 
  • Darüber hinaus gibt es den EKT Workshop, wo die Methode unterrichtet wird, der nächste findet kommendes Wochenende 26./27. Okt. 2013 in Wien statt. In diesem Workshop wird EKT gegeben und empfangen. Die EKT zu erlernen ist hilfreich für die Kommunikation mit sich selbst: Sie hilft Ihnen, den wertschätzenden Dialog mit Ihren Gefühlen zu üben und damit zu initialisieren. Langfristig wird Ihr Umgang mit sich selbst liebevoller, die Selbstakzeptanz und damit Selbstliebe nehmen zu.

Binge Eating & Bulimie: Die Suche nach den Ursachen

Frauen, die unter Essanfällen leiden, stellen sich häufig die Frage: Wieso?!

Bei Esssucht geht es ums essen. Natürlich, denn in der Esssucht dreht sich alles – und damit meine ich wirklich alles –  um das „was darf ich essen“, „wann“, „wieviel“ und „werde ich davon dick“. Doch die Beschäftigung mit dem Essen und der Figur lenkt uns von dem ab, was da tiefer liegt. Doch was liegt denn da tiefer?

Es gibt ein paar Themen, die mir in der Begleitung von Frauen mit Esssucht immer wieder begegnen.

Fülle des Lebens

  • Mangel
    Mangel fühlt sich an, als wäre man ein Fass ohne Boden. Man kann einfüllen und einfüllen und trotzdem bleibt das Gefühl: Das ist zu wenig. Zu wenig Anerkennung, zu wenig Lob, zu wenig Liebe, zu wenig Glück, zu wenig Erfolg. Da hilft nur Essen, denn Essen füllt mich, Essen macht mich glücklich – leider nur kurze Zeit.
    Langfristig gilt dem Fass einen Boden zu geben.
    Ein Anfang wäre: Täglich vor dem Schlafen gehen, 5 Dinge überlegen, für die ich heute dankbar war.
    Wichtig weiters Psychotherapie und/oder Körpertherapie, es geht um die nachträgliche Nährung des Mangels, der Seele. Sehr wichtig dabei: Geduld. Der Mangel braucht Zeit und stetige Zuwendung.
    Manchmal geht es um ein neu bewerten der Vergangenheit: Habe ich wirklich so wenig bekommen, wie ich denke? Wenn ich tatsächlich so wenig bekommen habe, wie kann ich mir heute das was mir fehlt geben?
  • Scham
    Menschen mit toxischem Schamgefühl fühlen sich minderwertig und verachten sich selbst. Sie halten es nicht für möglich, dass sie irgendein Mensch genauso lieben könnte, wie sie sind. Komplimente anzunehmen ist fast unmöglich. „Die können doch nicht mich meinen, die irren sich!“
    Deshalb werden Masken ausgesetzt und man versucht so zu sein, wie man denkt, dass es „gut“ und „richtig“ wäre. Doch tief im inneren spüren diese Menschen sehr deutlich die Maskarade, den tiefen Selbsthass, die gespürte Unzulänglichkeit.
    Die Sucht hilft diese belastenden Gefühle auszuhalten.
    Doch das Problem dabei ist, dass die Sucht die Scham erhöht: Je öfters Essanfälle auftreten, desto größer wird die Scham, die Situation nicht im Griff und schon wieder versagt zu haben.
    Süchtige können sich nicht selbst lieben. Sie sind für sich selbst ein Gegenstand der Verachtung. Dies führt zu einer Verzerrung des Denkens. Sie denken, sie wären nur dann in Ordnung wenn … wenn sie gesünder essen würden, wenn sie erfolgreicher oder schlanker wären etc. Diese hohen Ziele sind jedoch nie erreichbar, wodurch die Scham noch größer wird. Ein Teufelskreis.
    Was tun? Das Zauberwort heißt: Selbstliebe. Doch wie kann man lieben was man so hasst? Es ist ein Weg der kleinen Schritte. Beginnen kann man indem man mal überlegt, was man an sich eigentlich mag. Viele Menschen müssen hier sehr lange nachdenken. Macht nichts! Nehmen Sie sich die Zeit. Beobachten Sie und suchen Sie solange bis sie etwas finden. Das schreiben Sie dann in ein schönes Büchlein. Und forschen und suchen weiter.
    Weiters gilt auch hier: Hilfe annehmen in Form von Psychotherapie und/oder Workshops.
  • Kontrolle
    Dieses Thema ist eng verbunden mit der Scham: Wenn ich das Gefühl habe, nicht zu genügen, dann kontrolliere ich mich damit ich werde, wie ich mich haben möchte: ich esse immer die perfekte Nahrung, immer bin immer gut drauf (nach außen), bin immer zu allen freundlich.
    Die Kontrolle funktioniert eine Weile sehr gut … dann kommt der Essanfall, der komplette Kontrollverlust. Sich immer und ständig zu kontrollieren kann nicht funktionieren, deswegen haben wir Essanfälle. So weh diese tun, sie erlauben uns komplett von allen Ansprüchen loszulassen, auch wenn es nur für kurze Zeit ist.
    Die Lösung liegt daran, uns anzunehmen wir wir sind. Wir kommen immer und immer wieder zum Thema „Selbstliebe“ zurück 🙂
  • Führe ich das Leben, das ich möchte?
    Dieses Thema ist ebenfalls eng verbunden mit Mangel und Scham. Denn wenn ich mich selbst hasse und immer spüre, das „alles“ zu wenig ist, wie will ich dann herausfinden, was ich möchte oder noch viel wichtiger: Wer bin ich eigentlich, hinter den Masken, hinter dem was andere von mir erwarten, hinter dem was ich so gerne sein würde? Wer bin ich?! Hier geht es um das, was innen drinnen ist, versus dem ewig nach außen gerichtetem. Es geht um die Frage:  Habe ich es verdient, ein glückliches Leben zu führen?
    Hilfreich ist auch hier wieder die Selbstbeobachtung: Bei welchen Aktivitäten, Themen werde ich hellwach? Wann werde ich tot müde? Kann ich beobachten, ob ich nach bestimmten Ereignissen (z.B. Treffen mit bestimmten Menschen, vor bestimmten Terminen) Essanfälle habe (ein gutes Zeichen dafür, dass an dem Ereignis etwas nicht stimmt und eine Änderung ansteht).
  • Angst
    Es macht weniger Angst sich „nur“ um Diäten Gedanken zu machen als sein Leben umzukrempeln. Das Leben mit Esssucht ist zwar nicht angenehm, aber wenigstens planbar: Ein paar Tage strenge Diät, dann ein Essanfall, dann der Selbsthass, dann wieder ein neuer Diätplan, wieder voller Elan einen neuen Diätplan ausarbeiten … Sich sein Leben ehrlich anzusehen kann Angst machen, denn das könnte bedeuten, dass man Änderungen vornehmen muss oder meint die Kontrolle zu verlieren. Kontrollverlust macht Angst. Diese Angst lähmt und ist manchmal schlimmer zu ertragen als die Grauslichkeit der Essanfälle.
  • Körper
    Der Körper ist Schauplatz der Esssucht. Auf dem wird alles ausgetragen. Er ist nie so, wie er sein sollte. Dies beobachte ich bei allen Klientinnen mit Esssucht, wirklich ganz egal ob die Frau Übergewichtig ist, normal gewichtig oder untergewichtig ist (wenn man sich hier nach dem Bodymaß Index BMI orientiert)
    Interessant ist auch, dass es sich die normal gewichtigen und schlanken Frauen meistens genau 5 Kilo abnehmen möchten.  Ich denke das ist weil dies ein Ziel ist, das erreichbar scheint aber doch schwerer zu erreichen ist als nur 2 Kilo. Also wie eine immer etwas zu hoch hängende Belohnung, wie wenn man sich den Erfolg nicht vergönnen könnte und immer etwas braucht, das einem stört, damit man da seine ganze Energie hineinlegen kann. (statt sie auf die Dinge zu lenken, die schmerzen können, siehe den Absatz über Angst)
    Letztendlich geht es darum zu akzeptieren, dass wir ab dem Zeitpunkt wo wir älter als 20 werden und dann v.a. wenn wir Richtung 30 und darüber gehen, eben nicht mehr den Körper einer 16 jährigen haben können.
    Wir müssen uns entscheiden: Akzeptieren wir die Makel oder wollen wir tatsächlich jeden Tag mehrere Stunden harten Sport machen und jeglichen Zucker weglassen? Eine androgyne Figur zu behalten hat ihren Preis, sind wir bereit den zu zahlen? Wenn nein, dann hilft kein raunzen, kein selbst hassen. Dann gilt es die Entscheidung zu akzeptieren und den Körper anzunehmen. Wissend, dass diesem Selbsthass auch eine verzerrte Wahrnehmung zugrunde liegt. Nein, keine Sorge, wenn Sie sich auf diesen Weg begeben, werden Sie nicht dick und fett werden. Ich z.B. habe heute 5-7 Kilo mehr als damals, wo ich mit der Esssucht begonnen hatte. Und fühle mich heute trotzdem schlanker und schöner als damals.
    Wie akzeptiert man seinen Körper, den man doch so hasst? Auch hier wieder der Weg der kleinen Schritte. Gibt es vielleicht ein kleines Detail, das Sie heute schon an sich mögen? Wenn nein, suchen Sie so lange, bis Sie etwas finden. Und hier kann das: „Oh, also das hier ist ja schon mal ganz OK“ beginnen.
    Zum Körper gehört auch Hunger / Sättigung wieder wahrnehmen und damit umgehen lernen.

Was kann aivilo bei diesen Themen für Sie tun?

Tja, was tut man nun mit dem Wissen um diese Themen?

Von Themen zu wissen schafft Bewusstsein, Erweiterung des Blickwinkels. Wenn man sich Themen bewusst wird, stößt man auch immer wieder – scheinbar zufällig – über entsprechende Angebote, Bücher, Seminare etc.

Bei aivilo gibt es unseren Workshops „Stopp den Esszwang“: Da lernen Sie Ihr Hunger / Sättigungsgefühl kennen und Ihren Körper spüren. Durch das „outen“ in der Gruppe nimmt die Scham ab, denn Sie spüren: Ich bin nicht alleine und andere nehmen mich trotz meines Makels an. Hilfreich ist auch zu sehen, dass Sie die anderen genauso wenig verurteilen. Der nächste Termin ist 16/17. Nov 2013

Dann gibt es die Einzelarbeit in der aivilo Praxis. Hier suchen wir gemeinsam den Zugang zu Ihren Körper. Wir geben Ihrem Körper Raum und Zeit seine Bedürfnisse auszudrücken.

Meine Esssucht Geschichte und meinen Ausweg daraus können Sie hier nachlesen: Online pdf zum bestellen

Im aivilo Blog finden Sie laufend Anregungen. Diesen Blog können Sie abonnieren, sodass Sie per Mail über aktuelle Postings informiert werden. Diese finden Sie auch auf Facebook, wenn Sie sich mit „aivilo – ankommen im Körper“ befreunden.

Wenn Sie nach Psychotherapie suchen: Ich arbeite seit Jahren erfolgreich mit der Psychotherapeutin Doris Nowak-Schuh zusammen, die ich wärmstens weiterempfehlen kann.

Verzweiflung am Weg aus der Esssucht

Gestern erreichte mich folgender online Kommentar von Frau e. zum Artikel: Realismus am Weg aus der Esssucht

hallo,
ich bin gerade verzweifelt. seit 2 jahren bin ich nun schon auf dem wirklichen weg aus der esssucht (nachdem ich vorher schon 8 jahre darunter gelitten habe und meine versuche in der therapie darüber zu sprechen meist abgeblockt wurden). ich habe eine gruppentherapie (für essgestörte) von etwas über einem jahr und einen klinikaufenthalt in einer psychosomatischen klinik (nicht spezifisch für essgestörte) hinter mir. nach dem klinikaufenthalt ging es mir knapp drei monate sehr gut und dann noch ungefähr drei monate gut. ich hatte enrgie, fühlte mich wohl in meiner haut, aß normal und nahm dadurch tatsächlich auch etwas ab, ganz ohne diät, bis sich das zu viele essen wieder einschlich. wie lange dauert es denn noch bis es endlich vorbei ist und vor allem, müsste es nach dieser zeit nicht schon durchgestanden sein? habe das gefühl mich zurück anstatt nach vorne zu bewegen. essanfälle treten wieder vermehrt auf und ich esse fast jeden tag auch ohne ea zu viel :( bin von einer tiefenpsychologisch fundierten in eine verhaltenstherapie gewechselt, was auch deutlich besser ist und besuche eine selbsthilfegruppe für essgestörte. versuche wirklich alles was ich gelernt habe umzusetzen und trotzdem…hast du vielleicht noch irgendwelche tips? weiß einfach nicht wie es weiter gehen soll :(.

Hier meine Antwort dazu:

Liebe e.,

zunächst einmal schicke ich Dir ein paar tröstende Gedanken.
und noch ein paar.

Ja, manchmal ist das echt zu verzweifeln, wenn man etwas so hart will und das Gefühl hat nicht weiter zu kommen.

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Wenn sich nichts tut am Weg aus der Esssucht

Wozu sind Essanfälle da

Esssucht zu überwinden ist komplex weil in ihr die große Ambivalenz steckt:

Ich hasse sie so sehr
UND
ich brauche sie so sehr.

Deswegen ist das „einfache“ loslassen unmöglich. Wie in der Geschichte mit dem Balken im obigen Artikel: Wir müssen langsam lernen unsere Kräfte zu stärken.

Wir können das Wetter nicht ändern. Es wird immer wieder Phasen geben, in denen es stürmt und regnet, doch wir werden lernen damit anders umzugehen als mit essen. Aber das dauert.

Ich weiß, das waren jetzt noch keine konkreten Ratschläge, aber es ist so so so so so wichtig, diese Esssucht zu verstehen. Sie ist da, weil sie uns hilft mit der Komplexität des Lebens umzugehen. Es ist viel einfacher, auf „alles“ belastende mit Essen zu reagieren als mal mit Wut, mal mit Trauer, mal mit Angst, mal mit Unsicherheit, mal mit Müdigkeit, …. umzugehen. Es ist einfacher zu fressen als seine wahren Bedürnisse zu erkennen und zu denen zu stehen. Es ist einfacher zu fressen als kleine oder große Änderungen im Leben zu vollziehen.

Wir bewegen uns meiner Meinung nach übrigens niemals zurück. Wir haben einfach ein Muster (in dem Fall Esssucht) und es gibt kürzere oder längere Phasen, in denen wir neu agieren und dann greifen wir wieder auf unser Muster zurück. Also kein Rückschritt sonder einfach sein Muster haben solange bist es nicht mehr notwendig ist.

Tja, die Dauer…. Also ich erinnere mich, dass ich  3 Jahre voll in der Esssucht gesteckt bin (davor ein paar Jahre latent), bis ich draufgekommen bin, was ich habe. Ich habe danach begonnen an mir zu arbeiten.

Ab dem Zeitpunkt hat es 4 Jahre gebraucht bis zum letzten Essanfall und … das ist wichtig: danach noch mal gut 4-5 Jahre bis ich meine Identität vollkommen jenseits der Esssucht gefunden hatte. (das heißt nur weil kein Essanfall da ist heißt das noch nicht, dass die Esssucht ganz weg ist)

Relativ gut leben mit der Sucht konnte ich leben nach ca. 2 Jahren nach dem Zeitpunkt der Entdeckung. Damit meine ich, dass es zwar nicht lustig war, aber nicht mehr so bedrohlich, mit von hinten attakierend.

Und das ist extrem wichtig am Weg aus der Sucht: Die Sucht ist da, und ich tue alles damit es mir besser geht, aber ich kann momentan damit leben wie sie ist. Also nocheinmal: Es geht um Akzeptanz der Sucht UND GLEICHZEITIG darum, sich zu heilen. Klingt wie ein Widerspruch, ist aber keiner. Man braucht auch keine Angst zu haben, dass man stehen bleibt am Weg, nur weil man seine Essanfälle akzeptiert. Genau das Gegenteil passiert. Mit der Akzeptanz sinkt der Druck und dadurch steigt die Kraft die man hat um sich zu heilen.

Es ist extrem wichtig, sich für die Sucht zu entscheiden, statt gegen sie zu kämpfen UND trotzdem an sich zu arbeiten und weiter am Weg zu bleiben und sich zu heilen. Zu verstehen, zu fühlen was das heißt ist sehr sehr schwierig, aber auch sehr sehr wichtig.

Ich versuche es nochmal in anderen Worten: Es geht darum, dass ich von den Essanfall nicht von hinten befallen werde. Nicht jedes Mal von neuem überrascht werde. Das kostet so viel Kraft! Sondern sage: OK, Essanfall. Ich mag Dich zwar gar nicht habe, aber ich weiß, dass ich Dich brauche, also habe ich Dich eben. Ich weiß, dass Du mich noch länger begleiten wirst. Also rechne ich mal damit, dass Du wieder kommen wirst, solange bis ich Dich nicht mehr brauche. Momentan kommst du offensichtlich so und so oft pro Woche, OK, damit rechne ich mal. Das macht mich zwar nicht froh, aber ich versuche Dich in Liebe anzunehmen.

Es geht darum, ehrlich zu sich zu sein und liebevoll. Statt sich immer noch eins drauf zu hauen, mit sich zu schimpfen weil man „es noch immer nicht kapiert hat“. Esssucht verlangt danach zu lernen, freundlicher mit sich umzugehen. Es ist ein Schrei der Seele.

In Begleitung bist Du ja schon, das ist sehr gut. Sehr gut auch, dass Du darauf achtest, dass Dich die Therapie weiter bringt. Man kann niemals „alles“ gelernte umsetzen. Man setzt das um, was gerade passt. Das reicht! Wenn unsere Workshop Teilnehmerinnen 5% vom gelernten mitnehmen, sind wir schon hoch zufrieden! Es geht also auch hier wieder um innere Einstellung, nämlich Perfektionismus zu reduzieren.

Interessant sind weiters körperorientierte Dinge iSv Körpertherapie, weil es bei der Esssucht um den Körper geht. Da gibt es ein breites Angebot. Wichtig ist es, dass es jemand ist, der Deine Grenzen wahrt. Denn gerade bei Esssucht geht es stark darum wieder Vertrauen in den Körper zu finden und das dauert.

Die große Klammer über allem drüber ist die Selbstliebe. Je mehr Selbstliebe desto weniger Esssucht.

Ich hätte Dir jetzt wirklich gerne ein 10 Punkte Programm präsentiert, doch leider gibt es das nicht.

Vielleicht brauchst Du einfach mal nur eine Pause vom ständigen an Dir arbeiten. Das ist nämlich auch wichtig, von Zeit zu Zeit. Diese Phase muss nicht lange brauchen, vielleicht 2-4 Wochen, ganz bewusst auf alles pfeifen, ganz bewusst mal raunzen dürfen, ganz bewusst mal kein Selbsthilfebuch lesen und dann danach weitermachen mit neuer Kraft.

Vielleicht hier der wichtigste Rat: Sei lieb zu Dir, denn Du stehst Dir am nächsten und Du brauchst Dich in der Krise am aller meisten.

Ich hoffe, Dir damit ein wenig weitergeholfen zu haben.

Liebe Grüße.

Olivia