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Binge Eating & Bulimie: Die Suche nach den Ursachen

Frauen, die unter Essanfällen leiden, stellen sich häufig die Frage: Wieso?!

Bei Esssucht geht es ums essen. Natürlich, denn in der Esssucht dreht sich alles – und damit meine ich wirklich alles –  um das „was darf ich essen“, „wann“, „wieviel“ und „werde ich davon dick“. Doch die Beschäftigung mit dem Essen und der Figur lenkt uns von dem ab, was da tiefer liegt. Doch was liegt denn da tiefer?

Es gibt ein paar Themen, die mir in der Begleitung von Frauen mit Esssucht immer wieder begegnen.

Fülle des Lebens

  • Mangel
    Mangel fühlt sich an, als wäre man ein Fass ohne Boden. Man kann einfüllen und einfüllen und trotzdem bleibt das Gefühl: Das ist zu wenig. Zu wenig Anerkennung, zu wenig Lob, zu wenig Liebe, zu wenig Glück, zu wenig Erfolg. Da hilft nur Essen, denn Essen füllt mich, Essen macht mich glücklich – leider nur kurze Zeit.
    Langfristig gilt dem Fass einen Boden zu geben.
    Ein Anfang wäre: Täglich vor dem Schlafen gehen, 5 Dinge überlegen, für die ich heute dankbar war.
    Wichtig weiters Psychotherapie und/oder Körpertherapie, es geht um die nachträgliche Nährung des Mangels, der Seele. Sehr wichtig dabei: Geduld. Der Mangel braucht Zeit und stetige Zuwendung.
    Manchmal geht es um ein neu bewerten der Vergangenheit: Habe ich wirklich so wenig bekommen, wie ich denke? Wenn ich tatsächlich so wenig bekommen habe, wie kann ich mir heute das was mir fehlt geben?
  • Scham
    Menschen mit toxischem Schamgefühl fühlen sich minderwertig und verachten sich selbst. Sie halten es nicht für möglich, dass sie irgendein Mensch genauso lieben könnte, wie sie sind. Komplimente anzunehmen ist fast unmöglich. „Die können doch nicht mich meinen, die irren sich!“
    Deshalb werden Masken ausgesetzt und man versucht so zu sein, wie man denkt, dass es „gut“ und „richtig“ wäre. Doch tief im inneren spüren diese Menschen sehr deutlich die Maskarade, den tiefen Selbsthass, die gespürte Unzulänglichkeit.
    Die Sucht hilft diese belastenden Gefühle auszuhalten.
    Doch das Problem dabei ist, dass die Sucht die Scham erhöht: Je öfters Essanfälle auftreten, desto größer wird die Scham, die Situation nicht im Griff und schon wieder versagt zu haben.
    Süchtige können sich nicht selbst lieben. Sie sind für sich selbst ein Gegenstand der Verachtung. Dies führt zu einer Verzerrung des Denkens. Sie denken, sie wären nur dann in Ordnung wenn … wenn sie gesünder essen würden, wenn sie erfolgreicher oder schlanker wären etc. Diese hohen Ziele sind jedoch nie erreichbar, wodurch die Scham noch größer wird. Ein Teufelskreis.
    Was tun? Das Zauberwort heißt: Selbstliebe. Doch wie kann man lieben was man so hasst? Es ist ein Weg der kleinen Schritte. Beginnen kann man indem man mal überlegt, was man an sich eigentlich mag. Viele Menschen müssen hier sehr lange nachdenken. Macht nichts! Nehmen Sie sich die Zeit. Beobachten Sie und suchen Sie solange bis sie etwas finden. Das schreiben Sie dann in ein schönes Büchlein. Und forschen und suchen weiter.
    Weiters gilt auch hier: Hilfe annehmen in Form von Psychotherapie und/oder Workshops.
  • Kontrolle
    Dieses Thema ist eng verbunden mit der Scham: Wenn ich das Gefühl habe, nicht zu genügen, dann kontrolliere ich mich damit ich werde, wie ich mich haben möchte: ich esse immer die perfekte Nahrung, immer bin immer gut drauf (nach außen), bin immer zu allen freundlich.
    Die Kontrolle funktioniert eine Weile sehr gut … dann kommt der Essanfall, der komplette Kontrollverlust. Sich immer und ständig zu kontrollieren kann nicht funktionieren, deswegen haben wir Essanfälle. So weh diese tun, sie erlauben uns komplett von allen Ansprüchen loszulassen, auch wenn es nur für kurze Zeit ist.
    Die Lösung liegt daran, uns anzunehmen wir wir sind. Wir kommen immer und immer wieder zum Thema „Selbstliebe“ zurück 🙂
  • Führe ich das Leben, das ich möchte?
    Dieses Thema ist ebenfalls eng verbunden mit Mangel und Scham. Denn wenn ich mich selbst hasse und immer spüre, das „alles“ zu wenig ist, wie will ich dann herausfinden, was ich möchte oder noch viel wichtiger: Wer bin ich eigentlich, hinter den Masken, hinter dem was andere von mir erwarten, hinter dem was ich so gerne sein würde? Wer bin ich?! Hier geht es um das, was innen drinnen ist, versus dem ewig nach außen gerichtetem. Es geht um die Frage:  Habe ich es verdient, ein glückliches Leben zu führen?
    Hilfreich ist auch hier wieder die Selbstbeobachtung: Bei welchen Aktivitäten, Themen werde ich hellwach? Wann werde ich tot müde? Kann ich beobachten, ob ich nach bestimmten Ereignissen (z.B. Treffen mit bestimmten Menschen, vor bestimmten Terminen) Essanfälle habe (ein gutes Zeichen dafür, dass an dem Ereignis etwas nicht stimmt und eine Änderung ansteht).
  • Angst
    Es macht weniger Angst sich „nur“ um Diäten Gedanken zu machen als sein Leben umzukrempeln. Das Leben mit Esssucht ist zwar nicht angenehm, aber wenigstens planbar: Ein paar Tage strenge Diät, dann ein Essanfall, dann der Selbsthass, dann wieder ein neuer Diätplan, wieder voller Elan einen neuen Diätplan ausarbeiten … Sich sein Leben ehrlich anzusehen kann Angst machen, denn das könnte bedeuten, dass man Änderungen vornehmen muss oder meint die Kontrolle zu verlieren. Kontrollverlust macht Angst. Diese Angst lähmt und ist manchmal schlimmer zu ertragen als die Grauslichkeit der Essanfälle.
  • Körper
    Der Körper ist Schauplatz der Esssucht. Auf dem wird alles ausgetragen. Er ist nie so, wie er sein sollte. Dies beobachte ich bei allen Klientinnen mit Esssucht, wirklich ganz egal ob die Frau Übergewichtig ist, normal gewichtig oder untergewichtig ist (wenn man sich hier nach dem Bodymaß Index BMI orientiert)
    Interessant ist auch, dass es sich die normal gewichtigen und schlanken Frauen meistens genau 5 Kilo abnehmen möchten.  Ich denke das ist weil dies ein Ziel ist, das erreichbar scheint aber doch schwerer zu erreichen ist als nur 2 Kilo. Also wie eine immer etwas zu hoch hängende Belohnung, wie wenn man sich den Erfolg nicht vergönnen könnte und immer etwas braucht, das einem stört, damit man da seine ganze Energie hineinlegen kann. (statt sie auf die Dinge zu lenken, die schmerzen können, siehe den Absatz über Angst)
    Letztendlich geht es darum zu akzeptieren, dass wir ab dem Zeitpunkt wo wir älter als 20 werden und dann v.a. wenn wir Richtung 30 und darüber gehen, eben nicht mehr den Körper einer 16 jährigen haben können.
    Wir müssen uns entscheiden: Akzeptieren wir die Makel oder wollen wir tatsächlich jeden Tag mehrere Stunden harten Sport machen und jeglichen Zucker weglassen? Eine androgyne Figur zu behalten hat ihren Preis, sind wir bereit den zu zahlen? Wenn nein, dann hilft kein raunzen, kein selbst hassen. Dann gilt es die Entscheidung zu akzeptieren und den Körper anzunehmen. Wissend, dass diesem Selbsthass auch eine verzerrte Wahrnehmung zugrunde liegt. Nein, keine Sorge, wenn Sie sich auf diesen Weg begeben, werden Sie nicht dick und fett werden. Ich z.B. habe heute 5-7 Kilo mehr als damals, wo ich mit der Esssucht begonnen hatte. Und fühle mich heute trotzdem schlanker und schöner als damals.
    Wie akzeptiert man seinen Körper, den man doch so hasst? Auch hier wieder der Weg der kleinen Schritte. Gibt es vielleicht ein kleines Detail, das Sie heute schon an sich mögen? Wenn nein, suchen Sie so lange, bis Sie etwas finden. Und hier kann das: „Oh, also das hier ist ja schon mal ganz OK“ beginnen.
    Zum Körper gehört auch Hunger / Sättigung wieder wahrnehmen und damit umgehen lernen.

Was kann aivilo bei diesen Themen für Sie tun?

Tja, was tut man nun mit dem Wissen um diese Themen?

Von Themen zu wissen schafft Bewusstsein, Erweiterung des Blickwinkels. Wenn man sich Themen bewusst wird, stößt man auch immer wieder – scheinbar zufällig – über entsprechende Angebote, Bücher, Seminare etc.

Bei aivilo gibt es unseren Workshops „Stopp den Esszwang“: Da lernen Sie Ihr Hunger / Sättigungsgefühl kennen und Ihren Körper spüren. Durch das „outen“ in der Gruppe nimmt die Scham ab, denn Sie spüren: Ich bin nicht alleine und andere nehmen mich trotz meines Makels an. Hilfreich ist auch zu sehen, dass Sie die anderen genauso wenig verurteilen. Der nächste Termin ist 16/17. Nov 2013

Dann gibt es die Einzelarbeit in der aivilo Praxis. Hier suchen wir gemeinsam den Zugang zu Ihren Körper. Wir geben Ihrem Körper Raum und Zeit seine Bedürfnisse auszudrücken.

Meine Esssucht Geschichte und meinen Ausweg daraus können Sie hier nachlesen: Online pdf zum bestellen

Im aivilo Blog finden Sie laufend Anregungen. Diesen Blog können Sie abonnieren, sodass Sie per Mail über aktuelle Postings informiert werden. Diese finden Sie auch auf Facebook, wenn Sie sich mit „aivilo – ankommen im Körper“ befreunden.

Wenn Sie nach Psychotherapie suchen: Ich arbeite seit Jahren erfolgreich mit der Psychotherapeutin Doris Nowak-Schuh zusammen, die ich wärmstens weiterempfehlen kann.

Binge eating & Bulimie? Wir kennen uns aus damit!

Binge Eating und Bulimie zu haben bedeutet, dass die guten „ich-esse-ab-heute-nur-noch-gesund“-Vorsätze regelmäßig von Essanfällen durchkreuzt werden. Wenn Sie das satt haben, buchen Sie unseren Workshop „Stopp den Esszwang“ am 16./17 November 2013. Bis 16. September gibt es noch den Frühbucherinnen-Bonus.

Olivia Wollinger & Claudia Knief

Olivia Wollinger & Claudia Knief

Mit diesem Workshop konnten wir seit 2004 bereits zahlreiche Frauen unterstützen, ihren Körper endlich wieder als Partnerin statt als Feindin zu erleben.

Wir – das sind Mag. Olivia Wollinger und Claudia Knief:

Mag. Olivia Wollinger stellt den Körper in den Mittelpunkt ihrer Praxistätigkeit. Sie musste Esssucht am eigenen Leib durchleben und weiß daher wie es sich anspürt, im Teufelskreis gefangen zu sein und ihm zu entkommen. Sie gibt im Workshop ihre persönlichen Erfahrungen als auch jene als Körpertherapeutin gerne weiter.

Claudia Knief ist Entspannungstrainerin. Im Workshop führt sie unsere Teilnehmerinnen mit Hilfe von Körperreisen ins Spüren und Wahrnehmen. Darüber hinaus hat sie viele Jahre Erfahrung in der Begleitung von Veränderungsprozessen und liebt es, Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu inspirieren und zu unterstützen.

Binge Eating ist eigenenständige Diagnose

Die Essstörung „Binge Eating Disorder“ (BED) ist seit Mai 2013 eine eigenständige Diagnose. Die Binge-Eating-Störung ist gekennzeichnet von regelmäßigen Essanfällen. Dabei wird in einem abgrenzbaren Zeitraum eine signifikant größere Nahrungsmenge gegessen, als die meisten anderen Leute unter gleichen Umständen essen würden. Während dieser Essanfälle, wird ein Kontrollverlust empfunden. Menschen, die unter einer BED leiden, essen oft sehr schnell – auch wenn kein Hungergefühl verspürt wird. Schuld- und Schamgefühle sind häufige Begleiter. Betroffene versuchen meistens ihr Verhalten zu verheimlichen.

Mehr dazu lesen Sie auf der Essstörungshotline:
http://www.essstoerungshotline.at/aktuelles/2013_07_08_Binge-Eating-Stoerung.html

Die Diagnosekriterien von Binge Eating finden Sie hier: http://www.essstoerungshotline.at/allgemeines/krankheitsbild/Binge_Eating_Disorder_-_Ess-Sucht.html

Eine Form von Binge Eating ist das „night eating syndrom“ (NES). Es handelt sich hierbei um eine Essstörung, bei der Betroffene unter nächtlichem Heißhunger leiden. Es wird von NES gesprochen, wenn mindestens 25 % der täglichen Nahrungsaufnahme nach der letzten Tagesmahlzeit erfolgt, und/oder wenn eine Schlafstörung vorliegt, welche durch Nahrungsaufnahme begleitet wird. NES als solches wird allerdings bislang noch nicht als eigenständige Diagnose im Diagnoseklassifikationssystem ICD-10 geführt.

Binge Eating – der Ausweg kann gelingen!!

Heute erreichte mich folgende Mail. Sie hat mir die Gänsehaut rieseln lassen, weil sie genau auf dem Punkt bringt, was für den Ausweg aus dem Binge Eating bzw. aus der Esssucht wichtig ist:

Liebe Frau Mag. WOLLINGER!

Ich war letztes Jahr bei Ihnen und verfolge seit letztes Jahr regelmäßig Ihre Beiträge.
Vor allem ihr selbst geschriebenes Skript und die damit verbundenen Anweisungen waren für mich ein wichtiger Teil aus dem Weg meiner Esssucht.
Die Esssucht als etwas zu sehen, das man selber braucht, das damit ein Nutzen verbunden ist und es als „Alarmanlage“ dient hat mir sehr geholfen.

Es hat bei mir sehr lange gedauert, bis ich selbst gesehen habe, dass Esssucht mehr ist, als nur Essen bzw. Brechen.
Ich hatte viele Stunden meines Lebens mit Essen und Brechen verbracht. Ich dachte mir, wenn ich aufhöre zu brechen, bin ich wieder gesund – weil ja anscheinend dann kein offensichtlicher Defekt mehr vorliegt.

Doch wie Sie auch ,ist es mehr. Mit den Themen mit Selbstliebe, Perfektionismus, Körper spüren lernen, Emotionen ausdrücken werde ich tagtäglich konfrontiert.

Es ist wirklich ein langer, harter und sehr lohnenswerter Weg. Es gibt immer wieder Rückschläge, aber ich gehe anders damit um. Ich sehe sie als Hürden, die zur meiner Reifung dienen. Es ist nicht entscheidend was war – sondern die Entwicklung zählt.

Ich habe begonnen Nahrungsmittel als meine „Freunde zu sehen“ und nicht als Bedrohung. Ich stelle mir oft die Frage: Wie nähre ich mich am besten?
Und ich lasse es mir schmecken und esse bewusst.

Ich habe in vielen Bereichen meines Lebens meine Einstellung verändert. Ich glaube nicht nur mehr, wenn ich etwas leiste, bin ich etwas wert. Ich erlaube mir zu scheitern. Eine Superwoman kann auf der Dauer nicht existieren. Die Fassade fängt immer zu bröckeln an.

Zusätzlich gestehe ich mir zu, müde zu sein. Die Müdigkeit und dass ich Zeit zum Ausruhen brauche gönne ich mir zu und äußere es auch gegenüber anderen.

Am schwierigsten ist es für mich zu Vertrauen und die Kontrolle los zu lassen. Ich vertraue darauf, dass mein Körper die für sich passenden Nahrungsmittel und das damit verbundene Gewicht aussucht. (schwierig)
Vertrauen darauf, dass sich alles zum Guten wendet.
Vetrauen gegenüber den eigenen Gefühlen. Die Ja und Nein Gefühle deutlich spüren und das damit verbundene Grenzen ziehen braucht für mich Zeit.

Ich sehe mittlerweile meine Essucht als Geschenk, weil ich nicht blind in den Tag hinein lebe. Allein mir zu liebe muss ich zu mir selber ein bisserl nett sein.

Ich wünsche allein viel Mut, Kraft und wunderschöne Erlebnisse auf eurem Weg aus der Essucht!

Ihenen, liebe Frau Mag. Wollinger, wünsche ich schöne Begegnungen und Freude an Ihrer Arbeit!

Sie können meinen Beitrag in anonymer Form verwenden.
Vielen Dank!
Mit freundlichen Grüßen S.

Binge eating im Alltag

Die Heilung von Binge Eating ist möglich, doch es ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen zu schaffen ist. Das ist eine Tatsache. Der Weg aus der Esssucht beginnt damit, auch dies zu akzeptieren. Letztens erreichte mich folgende Mail einer ehemaligen Worskhop Teilnehmerin, die diesen Kampf, das auf und ab beschreibt: (ich darf sie hier mit ihrer Erlaubnis veröffenlichen, den Namen habe ich verändert, spezielle Infos zu ihrer Person mit XX anonymisiert)

Hallo Olivia,

seit einigen Tagen überlege ich mir, ob ich dir schreiben soll.

Ich würde dich gerne nochmal etwas fragen bzgl. dem Essen/meinem Essen, da ich merke, dass es mich beschäftigt und ich aber gar nicht weiß wie ich damit umgehen soll, bzw. was dahinter steckt.

Es ist so, dass ich ständig Lust auf Schokolade und Süßes habe. Ich habe dir das schon einmal geschrieben. Das fängt schon morgends an, dass ich nach dem normalen Frühstück (Brot, Müsli + Obst = esse ich eigentlich sehr gerne) immer noch Lust auf Schokolade habe. Ich esse dann meist ein bisschen Schokolade um diese Lust zu stillen. Wenn ich daheim bin bei meinen Eltern, löffel ich immer ein bisschen im Nutella meiner Schwester rum. Wenn ich dann in der Arbeit bin, so gegen 8Uhr, habe ich nach ca. 30Min wieder Lust auf etwas Süßes. Das kann ich mir gar nicht erklären (meine momentane Arbeit als Aushilfs-Sekretärin ist soweit ok – sonst bin ich XX, was mir gar nicht mehr gefällt).

Nach dem Mittagessen schließe ich meist mit Süßem ab, Schokolade oder ähnliches. Das ist für mich ok, doch auch hier muss ich auch immer „aufpassen“, dass ich nicht in „zu viel essen/ in einen Süßigkeiten-Wahn“ komme. Schon ein paar Bissen zu viel können bei mir der Auslöser sein, dass ich weiter und weiter esse.

Abends ist es für mich auch immer schwer, dass ich nicht weiter esse. Ich muss dazu sagen, dass ich meist neben dem Fernseh schauen esse, da es in unserer WG nicht üblich ist, in der Küche zu essen (aus verschiedenen Gründen). Ich merke oft, dass ich nach dem Abendessen auch noch Lust habe hier und da noch etwas zu essen/naschen und auch wieder Schokolade. Wenn ich dann nicht sofort zum Sport gehe, dann kann das sehr ausarten.

Im allgemeinen merke ich, dass ich abends vermehrt Probleme habe mit dem Essen, wenn ich früher Heim komme, oder dann nach dem Abendessen nicht sofort in den Sport gehe, oder einen anderen Termin habe. Manchmal sehne ich mich einfach nach Ruhe und auch nach „daheim bleiben wollen“, doch dann scheine ich aus Langeweile essen zu wollen. Ich weiß es nicht genau, was mich am Abend so dazu treibt… es kann sein, dass die anderen Faktoren alle ok sind, z.B. Arbeit, Beziehung, wenig Stress, usw….

Vielleicht liegt es daran, dass ich innerlich doch auch immer noch unzufrieden mit mir selber bin. Nach außen hin würde ich sagen komme ich mit mir selber zurecht. Doch innerlich scheine ich mich nicht zu mögen. Ich würde gerne abnehmen und schlanker sein, ich würde auch gerne mich selber mehr mögen wollen, mir von innen heraus sagen können, dass ich mich mag. Doch ich glaube, dass ich schon auch sehr unbewusst an mir selber rumnörgel und mich selber schlecht mache. Ich merke, dass ich mich z.B. auch gar nicht richtig glücklich fühle, sonder meist ist mein Befinden ein „OK“.

Beim Sport lese ich während des Rad fahrens immer gerne deine Publikation, die ich sehr gut finde und die mich total anspricht. Ich denke dann oft, dass ich mehr für mich machen sollte, z.B. mehr lesen, vielleicht mal wieder einen Workshop, ich auch daran erinnern, was ich im November bei deinem Workshop erlebt und mitgenommen habe z.B. mir sagen, dass mein Süßigkeitenkonsum ok ist usw….  – doch so wirklich mache ich das nicht.

Momentan ist es auch so, dass ich hin und her gerissen bin zwischen „abnehmen wollen“ und „alles Essen wollen, worauf ich Lust habe“. Ich habe noch Kleidung in meinem Schrank mit Größe 36, die ich mir 2009 während eines Therapeutischen Wohnens gekauft hatte (ich habe damals sehr abgenommen). Ich würde so gerne wieder in diese Kleidung passen wollen, da viele Teile ungetragen oder max. 1x getragen sind. Letztens hat mich das nachts so beschäftigt, dass ich sogar aufgewacht bin und mir die Klamotten aus dem Schrank hängen musste, dass ich sie am nächsten Tag anprobieren konnte, ob die „endlich“/“schon“ passen. Das war leider nicht der Fall und ich habe sie deprimiert und enttäuscht wieder in den Schrank gehängt. Gleichzeitig habe ich aber diesen Starken Drang nach Scholokade/Kekse usw…., dass ich mir Süßes gönne. Oh man!!!!!

Diese ganze hin und her gerissen sein führt dazu, dass ich inzwischen angefangen habe zu erbrechen wenn ich mir zu sehr überesse. Ich mag dieses Gefühl nicht mehr in mir haben, so vollgestopft zu sein, ich habe starke Angst davor zu zu nehmen, dass meine Anstrengungen mit dem Süßigkeiten-Essen zu nichte gemacht werden….auch meine Bemühungen im Sport (obwohl ich gerne Sport mache und ich mich danach immer gut fühle)…. usw…

Vielleicht fällt dir ja etwas zu meiner Mail ein. Ich würde mich freuen, wenn ich von dir hören, gerne auch aus deinen eigenen Erfahrungen oder auch wie meine Mail auf dich wirkt. Ich hoffe, ich habe sie nicht zu wirr geschrieben. Denn eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben, doch während des schreibens ist mir immer mehr eingefallen, das ich dir gerne von mir erzählen will, um dir zu sagen, zu beschreiben wie ich „ticke“.

Ganz liebe Grüße N.  …. und vielen Dank für’s zuhören :o)

Hier meine Antwort:

Liebe N.,

der Inhalt Deiner Mail ist sehr komplex und spiegelt das Wesen der Esssucht sehr gut. Denn Esssucht ist komplex. Man denkt es sei alles einfach „nur“ essen, ist es aber nicht.

Manchmal ist es schwer das „warum“ zu ergründen, manchmal erschließt sich das erst im Nachhinein. Da ist es wichtig, nicht zu viel Energie hineinzustecken sondern mehr in das Jetzt, also was brauche ich jetzt eigentlich wirklich. Diese Frage alleine zu lösen ist schwer. Daher gleich meine Frage:

Bist Du in Begleitung? Wenn nein rate ich Dir, Dir Hilfe zu gönnen, damit Du nicht im Kreis drehst. Am besten eine Therapeutin, die mit der Körperebene arbeitet. Die Gedanken scheinen überhand zu nehmen und da ist es wichtig, wieder in den Körper zu gehen.

Weiters: Hast Du Dich schon mit 5-Elemente (TCM) Ernährung beschäftigt? Dein Heißhunger kann auf physische Gründe haben. Ich empfehle Dir, Dich mit Porridge zu beschäftigen, siehe http://www.aivilo.at/category/kochrezepte-5-elemente/

Weiteres „heißes“ Thema: Selbstliebe. Da zu gibt es z.B. ein wunderbares Buch (auch als Hörbuch) von Bärbel Mohr.

Ich habe den Eindruck, dass Du Dich grad im Kreis drehst oder im eigenen Saft kochst, wie man so schön sagt. Ich habe das Gefühl, es braucht neuen Input von außen um weiter zu gehen.

Kannst Du damit was anfangen?

Liebe Grüße, Olivia

Die Antwort von N:

Liebe Olivia,

Danke für Deine Antwort.

Ja, ich kann mit deinen Zeilen etwas anfangen. Ich habe auch schon mal auf deiner Internetseite die Rezepte durchgestöber und die 5-Elemente-Ernährung gesehen. Ich möchte mir das noch näher anschauen.

In Begleitung bin ich – eigentlich schon sehr lange, allerdings nur auf Verhaltenstherapie. Mit Körpertherapie habe ich mich bis jetzt noch nicht beschäftigt, ich werde mir das mal anschauen und ein bisschen im Internet googlen was es hier in XX für Adressen gibt. Gibt es denn von deiner Seite aus einen Tip worauf ich bei einer Körpertherapie achten sollte – wären Erfahrungen mit Essstörungen bei der Therapeutin von vorteil?

Als ich in deinem Workshop war hast du mir auch ein Hörbuch genannt, das du momentan selber hörst. Ebenso habe ich mir auch das Buch augeschrieben „Essen als Eratz“. Die Notiz liegt seit dem Besuch bei dir an meinem Laptop, da ich es bis jetzt nicht geschafft habe mir das über Amazon zu bestellen – ich glaube da kommt dieser innere Kritiker, der an meine Tür klopft und sagt „braucht es das denn wirklich?! – Im Nachhinein liegt es womöglich nur im Schrank rum…..“.

Ich möchte mir das nochmals zu Herzen nehmen….

Herzlichen Dank für deine schnelle Antwort,

ganz liebe Grüße,

Daniela

und schließlich:

Liebe N.,
Ja tu das alles …. das klingt nach Bewegung! Bewegung ist gut!Ich glaube direkte Erfahrung einer Therapeutin mit Esssucht ist nicht notwendig aber hilfreich. Es geht um die empathische Begleitung bei Körperschema-Themen und vor allem darum: Alles was ich denke … wie spürt sich das in meinem Körper an? Welches Gefühl macht das? Wo in meinem Körper ist das lokalisiert? Es geht darum, dass Du nach der Therapie das Gefühl hast: Da bewegt sich was. Wenn Stillstand ist unbedingt mit der Therapeut/in besprechen!!Ganz gut sind auch Aufstellungen, aber vielleicht war das ja schon Teil Deiner Therapie. Also alles was nicht nur denken-reden ist sondern spüren, fühlen und dadurch erkennen. Liebe Grüße!Olivia

 

Wozu sind Essanfälle da?

Wer an Esssucht leidet hasst v.a. die regelmäßigen Essanfälle. Doch so paradox das für die Betroffenen auch klingen mag: Die Esssucht ist da, weil sie gebraucht wird. Sie hat einen Sinn, sie hilft den Betroffenen, mit ihrem Leben und mit ihren Problemen fertig zu werden. Sehr anschaulich beschreibt dies Anita Johnston in ihrem Buch: „Die Frau, die im Mondlicht aß“

Stell dir vor, du stehst im Regen am Ufer eines tosenden Flusses. Plötzlich rutscht die vom Wasser aufgeweichte Böschung unter dir ab. Du fällst ins Wasser und wirst von den Stromschnellen mitgerissen. All deine Bemühungen, dich über Wasser zu halten, sind vergeblich und du wirst wohl ertrinken. Doch zufällig schwimmt ein großer Balken vorbei, an den du dich klammern kannst. Dieser Balken hält deinen Kopf über Wasser und rettet dir das Leben. An den Balken geklammert, schwimmst du stromabwärts und gelangst schließlich wieder in ruhigeres Wasser. In der Ferne erblickst du das Ufer und du versuchst, dorthin zu schwimmen. Doch das gelingt dir nicht, weil du dich immer noch mit einem Arm an den dicken Balken klammerst und mit dem anderen Schwimmzüge machst. Wie ironisch, dass das, was dir das Leben rettete, dir jetzt im Wege steht. Am Ufer stehen Menschen, die deinen Kampf mit ansehen und brüllen: „Lass den Balken los!“ Aber das kannst du nicht, denn du hast kein Vertrauen in deine Fähigkeit, es bis zum Ufer zu schaffen. (…) Wenn man von einer Essstörung geheilt werden will, muss man diejenigen Fähigkeiten ausbilden, die man braucht, um den Balken zu ersetzen. (…) Und sehr, sehr langsam und vorsichtig lässt du den Balken fahren und übst ein paar Schwimmzüge. Wenn du drohst unterzugehen, klammerst du dich rasch wieder an. Dann lässt du den Balken wieder los und übst Wassertreten und wenn du müde wirst, hältst du dich wieder fest. Nach einer Weile versuchst du, einmal um den Balken herumzuschwimmen, dann zweimal, dann zehnmal, zwanzigmal, hundertmal, bis du genügend Kraft und Vertrauen hast, um bis zum Ufer zu gelangen. Erst dann kannst du den Balken vollständig loslassen.

Für den Weg aus der Esssucht ist es also sehr wichtig, die Essanfälle als Warnlampe zu begreifen, als Zeichen, das etwas nicht stimmt im Leben. Das gilt sowohl bei Bulimie als auch beim Binge Eating (d.h. Essanfälle ohne Erbrechen). Manchmal weißt man, was das ist, viel öfters weiß man es nicht. Seine Essanfälle zu aktzeptieren heißt nicht, dass man ihnen damit sagt, dass sie ewig bleiben sollen. Seine Essanfälle zu akzeptieren heißt, mit ihnen zu arbeiten und auf sie zu hören statt gegen sie zu kämpfen. Es heißt zu akzeptieren, dass sie gehen werden, wenn es Zeit ist und sie nicht mehr gebraucht werden. Dieses Umdenken braucht seine Zeit. Wenn es vollzogen ist, ist ein sehr großer Schritt aus der Esssucht geschafft.

Esssucht „besiegen“?!

In meiner Praxis oder bei den Seminaren kommen mir oft Wünsche unter wie

„Ich möchte meine Esssucht … besiegen, loswerden, anbringen, weg haben…“

Verständlich, dass wir loshaben wollen, was uns belastet.

Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass Esssucht ein Teil von uns ist, hieße das nicht auch, dass wir somit uns selbst besiegen, loswerden, anbringen, weg haben… wollen?

Wäre es vielleicht heilsamer zu sagen:
Ich möchte meine Esssucht verstehen? Möchte verstehen warum ich an Bulimie bzw. Binge Eating Disorder leide.
Ich möchte ihr zuhören, was sie mir zu sagen hat und daraus lernen?
Danke meine Esssucht, dass Du mir hilfst, mein Leben lebenswert zu machen.
Du bist momentan ein Teil von mir, also nehme ich Dich in Liebe an.
Auch wenn ich oft entsetzlich leide, bist Du trotzdem ein Teil von mir. (und ich versuche mich lieb zu haben, so wie ich bin, mit allen meinen Fehlern) Auch wenn ich Dich momentan nicht verstehen kann, irgendwann werde ich es.

Und damit vertrauen, dass die Esssucht gehen wird, wenn sie ihre Funktion, ihre Mission, ihre Botschaft erfüllt hat.