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Machen Kinder glücklich?

FülleGlückOb Kinder glücklich machen hängt von der eigenen Definition von Glück ab. Dazu ein paar Gedanken des Philosophen Wilhelm Schmid, gelesen in „Psychologie heute“ vom Oktober 2012

Wenn wir Glück festlegen auf zufrieden sein, dann ist es tatsächlich das denkbar Unglücklichste Kinder zu haben. Wenn wir das Glück der Fülle zugrunde legen, dann machen Kinder absolut glücklich. Denn einerseits erleben Sie mit Kindern irrsinnig schöne Momente, andererseits  irrsinnig große Sorgen, und zwar vom ersten Tag an. Wer beides akzeptieren kann, der hat die Fülle des Lebens.

Und mir scheint es auch, dass die glücklichsten Menschen der Welt Kinder sind, eben durch das Glück der Fülle. Ein Kind käme niemals auf die Idee, nur Wohlgefühl vom Leben zu erwarten, es kann mühelos akzeptieren, im einen Moment Freude zu erleben, im anderen Moment todtraurig zu sein. Die Natur hat uns präpariert für das Glück der Fülle. Erst als Erwachsene kommen wir in moderner Zeit auf den Wahnsinnsgedanken, immer nur Wohlgefühl erleben zu wollen.“

Freude vor glücklich sein?

Müssen wir wirklich immer alle immer glücklich sein, oder reicht es einfach „nur“ Freude zu erleben?

Nachfolgend ein Ausschnitt aus einem Interview mit Peter Handke, gefunden in der Spezialausgabe „20 Jahre News“ vom 4. Oktober 2012.

News: Wie geht es Ihnen heute? Sind Sie glücklich?

Handke: „Wenn Sie mich mit dem Wort „glücklich“ in Frieden lassen könnten. Ich habe das Wort „Freude“ lieber.

„Glück“ hat nur so eine dumme Silbe, aber Freude hat zwei und muss sein. Freude ist das elfte Gebot. Du sollst dich freuen.“

News: Worüber freuen Sie sich?

Handke: „Wenn das Laub beim Rechen riecht, wenn die Nüsse ihre ersten Risse bekommen, auf dem Baum, den ich gepflanzt habe. Die Schwellenmomente im Jahr. (…)“

 

Glück und Zufriedenheit

Zufriedenheit wird oft mit Glück verwechselt, doch auf diesen kleinen feinen Unterschied kommt es an!

Nachfolgend ein Ausschnitt eines Interviews mit Sonia Laszlo, Autorin des Buches: Fuck Happiness, gefunden im Kurier vom 7.  Oktober 2012.

„Zufriedenheit wird oft mit Glück verwechselt. Wir nehmen uns durch einen unpräzisen Sprachgebrauch die Möglichkeit, beides auszukosten.
Zufriedenheit ist ein linearer Zustand. Es geht um die Lebenseinstellung, nicht immer negativ zu sein. Man sollte sich stets denken: „Ich habe das Beste aus der Situation gemacht“. Man kann natürlich unzufrieden sein, weil einem gerade etwas nicht gefällt. Es geht um den inneren Frieden.

Glück ist ein momentaner Prozess, kein Dauerzustand. Da geht es hoch, aber auch wieder hinunter. (…) Wir nehmen an, dass wir immer glücklich sein können oder müssen. Das erste Stück Schokolade schmeckt und jedes Mal gut, aber wenn wir uns ständig dazu zwingen wird es auch irgendwann zu viel. [Anm. OW: oder ein anderes Beispiel: heiße Dusche ist super 5-10 Minuten aber dann wird es zu viel] Man muss das Glück richtig dosieren. Glück unterliegt nicht unserem Willen. Es ist nicht vorgesehen, dass der Mensch ständig glücklich ist. Wir sollen unser Leben nicht danach richten, immer glücklich zu sein. Zum Leben gehört auch das Unglück. Es gibt einen richtigen gesellschaftlichen Glücksdruck.

Es geht darum Lebenszufriedenheit zu entwickeln. (…) Wir laufen in die Irre, wenn wir ständig auf der Suche nach der nächsten Euphorie sind. (…) Der schnellste Weg, unglücklich zu werden ist, überzogene Erwartungen und Ansprüche zu haben. (…) Glück ist nicht das Maß aller Dinge – man darf es nicht so wichtig nehmen. Es kommt und geht. Man kann es nicht festhalten. Es gibt auch kein Lebenspensum für Glück, das man aufbrauche kann. (…) Wenn ich den Mechanismus verstehe, dann habe ich mehr Sicherheit. Dann kann ich auf mein Glück pfeifen, es sogar hinter das Glück anderer stellen und mich nicht mehr davon tyrannisieren lassen.“

Vom Glück im Unglück

Manchmal ist es weise vorsichtig zu sein mit unseren Äußerungen, ob etwas Glück oder Unglück bedeutet. Aus einem augenscheinlichen Glücksfall kann ein Unglück entstehen, aber auf der anderen Seite kann ein vermeintliches Unglück auch ein großes Glück verbergen. Dazu eine Geschichte aus China:

Als der alte Mann von der Großen Mauer sein Pferd verlor

Vor sehr langer Zeit lebte einmal ein alter Mann ganz in der Nähe der Großen Mauer. Er war ein einfacher Bauer und besaß ein Pferd. Dieses Pferd war sehr wertvoll für ihn. Nun lief sein Pferd eines Tages davon.
Das Pferd war in das Land der Barbaren gelaufen und es gelang dem alten Mann nicht es wieder einzufangen. Alle seine Nachbarn kamen und bedauerten ihn. Immer wieder riefen sie: „Was für ein Unglück! Wie schrecklich!“ Alle waren schrecklich aufgeregt und betrübt.
Doch dann geschah etwas unerwartetes. Der alte Mann wiegte den Kopf hin und her und sagte zur Überraschung aller Nachbarn: „So wie ich die Sache sehe, lässt sich doch jetzt noch gar nicht sagen, ob es ein Unglück oder nicht ist. Wer weiß, vielleicht ist es gar nicht so schlecht!“
Etliche Monate später kam das Pferd plötzlich zu dem alten Mann zurück. Doch es war nicht allein – nein! Es brachte noch eine ganze Herde von Wildpferden mit sich. Diese Pferde waren sehr wertvoll, da sie als sehr schnell und wendig galten.
Wieder kamen alle Nachbarn, doch diesmal beglückwünschten sie ihn. „Was für ein großes Glück, nun bist du reich! Wie wundervoll!“ Doch auch dieses mal war der alte Mann sehr vorsichtig und meinte: „Man weiß nicht, wie es am Ende ausgehen wird. Man kann noch nicht sagen, ob es ein Glück oder ein Unglück bedeutet.“
Leider behielt der alte Mann Recht. Eines Tages wollte sein Sohn eines der Wildpferde einreiten. Doch das Pferd scheute und der Sohn fiel vom Pferd, dabei brach er sich das Bein.
Natürlich kamen wieder alle Nachbarn und bedauerten den alten Mann und seinen Sohn. „Welch ein schreckliches Unglück! Was soll denn jetzt werden!“ Doch der alte Mann sagte zu ihnen: „Macht euch keine Sorgen um uns. Im Augenblick sieht es wie ein Unglück aus, aber wer weiß wozu es gut ist, dass sich mein Sohn das Bein gebrochen hat.
Ein Jahr später griffen plötzlich die Barbaren an und durchbrachen die Große Mauer. Alle jungen Männer aus der Gegend wurden in den Krieg einberufen und die meisten wurden dabei getötet.
Doch der Sohn des alten Mannes wurde nicht einberufen, da sein Bein immer noch nicht wieder gut war. Er konnte bei seinem Vater bleiben und ihm helfen.