Schlagwort-Archiv: Ausstieg aus Esssucht

Workshopimpressionen

Hier sind sie, ein paar Eindrücke vom Workshop: „Wege aus dem Esszwang“, 15./16. März. Natürlich wahren wir wie immer die Privatsphäre unserer Teilnehmerinnen, indem wir keine Fotos von ihnen online stellen – also stehe mal wieder ich als Fotomodel zur Verfügung 😉 Die Fotos sind (außer das vom Buffet) von Manfred Helmer, vielen Dank an dieser Stelle!

Auch diesmal haben die Teilnehmerinnen für uns ein Plakat gestaltet über das wir uns sehr gefreut haben:

Danke für….

… eure Offenheit
… das „Schreckens“-Buffet
… einen neuen Anstoß zum Körper spüren
… das Teilen von Gefühlen und Erfahrungen (auch wenn es schwierige Themen sind)
… das Zuhören
… einfach nur alles 🙂
… gutes Essen
… das Verständnis
… Raum & Verständnis für Gefühle
… den tollen selbst gebackenen Kuchen
… die Geschmacksreise

Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Workshop im November, Anmeldung und damit Frühbucherinnenbonus ist bereits möglich.

Das Leben ohne Esszwang

Es gibt ein Leben nach der Esssucht. Viele träumen davon. Doch ganz wichtig zu wissen ist: Wenn die Esssucht vorbei ist, heißt es nicht, dass man den ganzen Tag nur noch fröhlich und kraftvoll durch die Welt springt.

Das Leben bedeutet Herausforderung und Veränderung. Manchmal bedeutet Leben auch, dass wir Schmerzen erleiden, körperliche wie seelische. Das sind Naturgesetzte des Lebens! Es ist eine Illusion zu glauben, dass wenn die Esssucht weg ist, dass auch all das weg ist. Nein. Auch wenn die Esssucht weg ist, wird es noch Unsicherheiten, Liebeskummer, Verletzungen, Trauer, Wut , Jobverlust, Streitigkeiten und all das geben.

Was anders ist, ist der Umgang in diesen Situationen: Da wird dann z.B. geweint bei Trauer (statt zu essen), aufgestampft bei Wut (statt zu essen), starr dagelegen bei Entscheidungsunfähigkeit (statt zu essen), ganz lieb mit sich umgegangen bei Unsicherheiten (statt zu essen), geschlafen bei Müdigkeit (statt zu essen) etc.

Beim Ausstieg aus dem Esszwang geht einerseits darum, adäquat mit Gefühlen umzugehen (statt zu essen).

Andererseits geht es auch darum, Frustrationen und ungute Gefühle auszuhalten. Zu verstehen, dass auch das zum Leben dazugehört. Auf diesem Weg ist z.B. die EKT nützlich. Hier schauen wir uns diese ungeliebten Gefühle an und merken: Ich kann sie aushalten, es passiert nichts! Ganz im Gegenteil: Wenn ich sie annehme und Teil von mir sein lasse verlieren sie sogar ihren Schrecken.

Als Erfolg am Weg aus der Esssucht ist also jedes Mal, wo wir es schaffen, ein Gefühle auszuhalten bzw. adäquat zu agieren (statt zu essen). Es geht nicht darum den Essanfall zu vermeiden, denn der ist nur ein Zeichen dafür, dass das mit dem aushalten bzw. adäquat ausreagieren noch nicht ganz so funktioniert. Es geht darum die Essanfälle hinzunehmen und parallel daran zu arbeiten Gefühle adäquat auszudrücken bzw. auszuhalten.  Es geht darum sich selbst sein zu lassen, mit allen Licht UND Schattenseiten.

Neben dem Zulassen und adäquatem Reagieren auf Gefühle ist ein wesentlicher Punkt am Weg aus der Esssucht der Hunger der Seele. Diese unendliche innere Leere, die schier niemals gestopft werden kann. Doch auch die ist – ebenso wie das unkontrollierbare Essen – ein Symptom, nicht die Ursache. Wenn wir lernen zu uns zu stehen und unsere Gefühle sein zu lassen, dann darf auch unsere Seele sein. Sie wird genährt und darf sich erholen sodass das tiefe Loch und damit der Esszwang irgendwann verschwindet.

Schlussendlich ist noch wichtig zu wissen: Auch ohne Esssucht kommt es manchmal vor, dass man einfach mal zu viel isst. Einfach mal auf Frust mit einer doppelten Ladung Schoko-Palatschinken reagieren, einfach mal die Trauer mit einer großen Portionen Eis streicheln.

Was anders ist, ist der Umgang. Es sind dann keine unkontrollierbaren Essattacken mehr, kein grausliches gieriges in sich hinein Schlingen. Es ist eine relativ bewusste Entscheidung eben mal nicht bewusst konstruktiv handeln oder aushalten zu müssen. Auch die logischen Konsequenzen (voller Bauch, Trägheit, ggf. ein spannender Hosenbund) werden akzeptiert statt sie wett zu machen (z.B. durch erbrechen). Was aufhört ist das sich selbst fertig machen und anklagen. Es ist kein „mir ist das passiert“ mehr, sondern eher ein „das gönne ich mir heute bewusst“. Man ist dann nicht mehr unendlich böse auf sich sondern weiß, dass man das eben mal gebraucht hat.

Liebe vermag viel zu heilen und gelebte Selbstliebe ist die Basis dafür!