Kategorie-Archiv: Spüren lernen

10 Minuten Meditation

Diese 10 Minütige Meditation von Franziska Diesmann  und Torsten Abrolat höre ich derzeit jeden Morgen und tut mir sehr gut:

diesmann

Meditation halte ich für ein wichtiges Instrument, um zu sich zu kommen und sich nicht vom Gedankenkarussell davontragen zu lassen. Es gibt zahlreiche Formen der Meditation, man muss nicht unbedingt stock steif eine halbe Stunde dasitzen. Egal wie man es macht, es ist wichtig, dem Geist regelmäßig die Chance zu geben, zur Ruhe zu kommen. Vor allem wenn man an Schlafstörungen leidet, an belastenden Grübeleien oder wenn man ständig auf hohem Stressniveau lebt.

Dieser Blog

Liebe Blog-Leser/innen,

in nächster Zeit wird dieser Blog wohl nicht so regelmäßig beschrieben werden wie gewohnt, da ich an anderer Stelle schreibe werde: Ja, es wird Zeit für mein Buch über Esssucht. Ich habe keine Ahnung, wie lange es dauern wird, so ein Buch zu schreiben, aber die ersten vier Seiten gibt es schon, also der Anfang ist gemacht.

Mich gibt es natürlich weiterhin in meiner Praxis und beim EKT und Esssucht Workshop. Dort freue ich mich, Sie und Dich persönlich zu treffen.

Also, senden Sie mir Ihre guten Vibes und ja …. aufregend ist das alles 🙂

Apropos Vibes: Dieser Song begleitet gerade meinen Anfang als Autorin:

Life is just a bowl of cherries
Don’t take it serious
Life’s too mysterious

You work, you save, you worry so
But you can’t take your dough
When you go, go, go

Keep repeating, it’s the berries
The strongest oak must fall
The sweet things in life to you were just loaned
So how can you lose what you never owned

Life is just a bowl of cherries
So live it, love it, wriggle your ears
And think nothing of it, you can’t do without it
There’s no two ways about it
You live and you laugh at it all

Herzliche Grüße,

Olivia Wollinger

 

Spüren lernen

Immer wieder begleite ich in meiner Praxis Menschen, die den Wunsch haben, das (sich) Spüren zu lernen und vom Kopf ins Gefühl zu kommen. Hierbei leisten uns der Atem und der Körper wertvolle Hilfe, sowie die sich selbst zugestandene Erlaubnis, Gefühle haben zu dürfen. Sich zu spüren ist gelebte Selbstliebe.

Zu diesem Thema habe ich heute im Internet einen interessanten Artikel von Safi Nidaye gefunden, die dazu auch ein Buch verfasst hat:

Wie fühlst du dich in diesem Augenblick? Fühlst du dich überhaupt? Wenn du diese Fragen spontan mit Ja beantworten kannst, bist du eine glücklich Ausnahme – denn die meisten unserer Zeitgenossen haben es verlernt, auf ihre Gefühle zu achten und sich auf’s Denken verlegt. Dabei würden viele Probleme und fast all unser Leid erst gar nicht entstehen, wenn wir wieder fühlen lernen und unser Herz öffnen, statt uns den Kopf zu zerbrechen.

Angst vor Gefühlen?

Vor nichts in der Welt haben wir so große Angst wie vor Gefühlen. Wir meinen zwar, es seien Tatsachen, vor denen wir uns fürchten – wie etwa im Job gekündigt zu werden, ohne Geld dazustehen, den Partner zu verlieren, einen Unfall zu haben oder in einem Prozess zu verlieren… Irrtum! In Wirklichkeit haben wir Angst vor den Gefühlen, die so eine Situation in uns auslöst – wer will sich schon gern hilflos, ausgeliefert, lächerlich, elend, im Stich gelassen, gedemütigt fühlen…!?
Nehmen wir mal an, ein anderer Mensch signalisiert mir durch sein Verhalten Ablehnung oder spricht es sogar unverblümt aus: „Ich mag dich nicht!“ Prompt fühle ich mich selbst abgelehnt, halte Ablehnung für eine meine Person betreffende Tatsache. Deshalb leide ich und wehre ich mich oder flüchte. Dabei ist das, was mir jetzt so wehtut, in Wirklichkeit mein eigenes Gefühl, ausgelöst durch eigene Erinnerungen oder Gedanken. Wäre mir das in diesem Augenblick bewusst, dann könnte ich es fühlen, anstatt alles zu tun, um vor diesem schlimmen Gefühl davonzulaufen.

Fühlen tut gut

… paradoxerweise auch und gerade wenn es sich um ein unangenehmes Gefühl handelt. Den Schmerz der Ablehnung bewusst zu fühlen, bedeutet, ihn mit Aufmerksamkeit zu berühren, ihn nach Hause zu holen ins Herz, in unser fühlendes und mitfühlendes Zentrum. Es bedeutet, das Leid zu beenden. Denn unser Leid entsteht genau dadurch, dass wir unseren Schmerz nicht fühlen wollen. Lieber verdrängen wir ihn immer wieder aufs Neue, wehren ihn ab oder flüchten. So wird unsere Angst vor dem Schmerz immer größer, und wir leiden darunter, dass wir uns wehren müssen, dass wir Andere verletzen müssen mit wütenden Handlungen oder Worten oder indem wir den Kontakt zu ihnen blockieren oder ganz abbrechen. Und all dies geschieht aus Angst vor einem Gefühl.

Bewusstes Fühlen

… macht uns lebendig. Überall, wo wir nicht fühlen, ist unsere Lebensenergie und damit unsere Lebensfreude und Lebendigkeit eingeschränkt. Wie aber fühlt man bewusst?
Angenommen du ärgerst dich gerade sehr, und ich sage zu dir: „Du musst deinen Ärger einfach FÜHLEN!“ – dann wirst du mir wahrscheinlich antworten: „Spinnst du? Ich spüre ihn doch schon die ganze Zeit!“… und du wirst fortfahren, über die Situation oder die Person zu schimpfen, worüber du dich ärgerst, und verlangen, dass sie sich ändern sollte. Du richtest deine Aufmerksamkeit also auf das Objekt im Außen, das deinen Ärger geweckt hat.
Wenn ich mich aber bemühe, meinen Ärger bewusst zu fühlen, dann richtet sich meine Aufmerksamkeit nach Innen. Dann spüre ich meinen Atem, meinen Körper, dann erlebe ich bewusst all die Anspannungen in mir, die dieser Ärger auslöst. Und je aufmerksamer ich erforsche, wie sich das in mir anfühlt, desto mehr verschiebt sich meine Identifikation. Bis ich nicht mehr die Person bin, die sich einfach ärgert, sondern jene, die diese Emotion bewusst erlebt. Erst war ich vollständig identifiziert mit dem Ärger – nun bin ich identifiziert mit etwas, das größer ist als der Ärger. Zuerst war ich „purer Ärger“ – jetzt ist auch der Rest meiner selbst wieder eingeblendet. Nun kann ich meinen Ärger aus einer anderen Position heraus betrachten. Mein Herz kann sich diesem Gefühl öffnen, und plötzlich regen sich vielleicht Verständnis und Respekt für meinen Ärger… Durch diese innere Öffnung kann dann der Schmerz auftauchen, der unter dem Ärger lag – das, was mir so wehgetan hat, dass ich mit Ärger reagiert habe – beispielsweise das Gefühl von Ungerechtigkeit oder Demütigung oder Ablehnung.
Indem ich diesen Schmerz fühle – ganz bewusst, ganz aufmerksam und vollständig – heile ich mich selbst: Ich entdecke, dass das, wovor ich mich die ganze Zeit gefürchtet habe, ein schmerzhaftes Gefühl und keine Tatsache ist. Ich berühre diesen Schmerz mit meinem Atem und meiner Aufmerksamkeit und nehme ihn in mein Herz. Das ist ein Augenblick der Heilung, der Heimkehr. Die großen Meister oder Bewusstseinslehrer nennen das „Ganzwerdung“. Die Psychologen bezeichnen es nüchterner als „Integration abgespaltener Persönlichkeitsanteile“. Der Schmerz, ein Teil meiner selbst, den ich vorher ausgeblendet hatte, gehört jetzt wieder zu mir.

Interpretationen

Fühlen ist aber noch mehr, als das Spüren einer Emotion. Fühlen ist das allererste, unmittelbare innere Erleben unserer gesamten Umwelt. Bevor wir etwas mit den Sinnesorganen wahrnehmen und dann mit dem Verstand interpretieren, fühlen wir es bereits. Wir haben jedoch nicht gelernt (oder verlernt), auf dieses erste Fühlen zu achten. Unsere Aufmerksamkeit ist nicht dort, wo es stattfindet – nämlich in uns selber – sondern konstant auf die Außenwelt gerichtet und in Gedanken absorbiert.
Wenn ich einem Menschen zum ersten Mal begegne, entsteht in mir ein spontaner erster Eindruck – ausgelöst durch Aussehen, Haltung, Geruch, Stimme oder Sprechweise dieses Menschen. Blitzartig, unbewusst und automatisch verbinde ich diese Informationen mit vergangenen, in meiner Psyche gespeicherten Erfahrungen und beginne zu vergleichen und zu deuten. Das läuft so ähnlich ab, wie bei der Interpretation eines fremden Wortes, das ich zum ersten Mal sehe – eine Folge von Buchstaben, die zunächst keinen Sinn ergibt, aber blitzschnell und automatisch verglichen wird mit ähnlichen Buchstabenfolgen. Zur Veranschaulichung ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung: Als Kind kam ich öfter nach Belgien. Dort gab es Schilder neben der Straße mit der Aufschrift „voor onze kinderen“ – und ich verstand gleich beim Lesen, dass hier irgendetwas „für unsere Kinder“ gemeint ist. Damit lag ich richtig. Auf anderen Schildern stand „schijf verplicht“ – und ich war sicher, dass es sich hier um etwas Schiefes handeln müsse, das verpflichtend sei. Falsch interpretiert. Denn „schijf“ heißt auf Flämisch „Scheibe“ – es bedeutet also „Parkscheibe vorgeschrieben“.

Projektionen

Ähnlich ergeht es uns beim ersten Eindruck von einer anderen Person. Manches interpretieren wir richtig, manches völlig falsch. Weil diese innere Bewertung aber völlig automatisch und unbewusst abläuft, kann sich ein falsches Bild über das richtige schieben, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Dann meinen wir, die Person objektiv wahrzunehmen – dabei sehen wir nur unsere eigene Projektion, auf die wir dann emotional reagieren: Ich sehe in dir einen Feind, der mir etwas wegnehmen will, also wappne ich mich und reagiere verschlossen oder aggressiv. Oder ich sehe in dir eine liebe, mütterliche Person, und deshalb vertraue ich dir meine Sorgen an. Die Wirklichkeit könnte aber vielleicht genau umgekehrt sein: der Mensch, gegen den ich mich schütze oder verteidige, ist eigentlich lieb und mütterlich und will mir nur Gutes – und die scheinbar liebe und mütterliche Person ist in Wirklichkeit eifersüchtig auf mich und will mir etwas wegnehmen. Mein allererstes und unmittelbares Fühlen hätte mir das zwar mitgeteilt – ich nehme es aber nicht wahr, weil ich meine Aufmerksamkeit nicht auf das innere Fühlen, sondern auf das Interpretieren von Sinneseindrücken gerichtet habe.
Die meisten unserer Beziehungen entstehen und gestalten sich auf Grund solcher falschen oder verzerrten Wahrnehmungen. Anstatt einander zu spüren, wie wir wirklich SIND, projizieren wir eigene Bilder und Gedanken auf einander und reagieren darauf. Daraus entstehen unsere Kriege, unsere Missverständnisse, unsere zwischenmenschlichen Probleme.
Wie aber können wir lernen, einander wirklich wahrzunehmen? Dazu müssen wir erstmal lernen, überhaupt zu fühlen.

Blitzwahrnehmung

Fühlen ist die einfachste, die direkteste, elementarste Art des Erlebens und Wahrnehmens zugleich. Würden wir unsere Aufmerksamkeit mehr auf dieses unmittelbare, spontane Fühlen richten, könnten wir uns viel Nachdenken, Forschen, Analysieren, Diskutieren und einen Großteil unserer Probleme und Dramen sparen. Wenn ich z.B. einem Menschen begegne, liefert mir meine allererste innerste Spontanreaktion bereits viele Informationen über ihn und die Art unserer Beziehung, die ich mir denkend, interpretierend und analysierend mühsam und über Umwege erarbeiten müsste. Wenn ich einen Raum betrete – etwa eine Wohnung, die ich mieten will – dann kann ich fühlen, ob sie mir gut tut oder nicht, also ihre Grundatmosphäre und ihre bioenergetische Qualität wahrnehmen. Ich kann auch fühlen, ob mich ein Nahrungsmittel beleben oder belasten wird, oder ein Getränk, oder ein Medikament… und so fort. Das vereinfacht das Leben natürlich enorm und stellt es auf eine gesündere Basis. Jedoch gibt es zwei Voraussetzungen, damit wir die auf diesem direkten Weg gewonnenen Informationen auch nutzen können:
a) wir müssen mit unserer Aufmerksamkeit dort sein, wo Fühlen stattfindet;
b) wir dürfen das, was wir fühlen, nicht durch ungenaue Interpretation verfälschen.

3 Schritte zum Fühlen

Wo ist dieser Ort, an dem Fühlen stattfindet? Um den zu erreichen, muss man die Aufmerksamkeit nach innen richten statt nach außen – sie sozusagen umkehren.
1. Schritt:
Anstatt deine Umwelt durch die Brille deiner Gedanken und Emotionen zu betrachten, richte die Aufmerksamkeit in deinen Körper. Das gelingt am schnellsten und mühelosesten, wenn du dich auf deinen Atem konzentrierst. Du verlagerst deine Wahrnehmung einfach weg von der Gedankensphäre hin zu deinem Atem – und schon bist du bei dir selber angekommen, in der Gegenwart, spürst deinen Körper, nimmst Sinneseindrücke wahr. Gedanken mögen noch da sein, sie finden aber jetzt auf einer anderen Ebene statt, weil sie keine Aufmerksamkeit bekommen. Sie sind im Moment unwichtig. Das ist der Anfang des Fühlens.

2. Schritt:
Aus diesem Zustand der Selbstwahrnehmung heraus kannst du deine Aufmerksamkeit nun auch auf etwas im Außen erweitern – zum Beispiel auf den Raum, in dem du dich befindest, oder auf ein bestimmtes Bild, oder auf eine Landschaft, oder auf eine Musik, ein Lied, ein Gedicht… oder auf einen bestimmten Menschen, den du magst… oder einen, mit dem du Probleme hast… oder auf ein bestimmtes Thema, das dir Kopfzerbrechen oder Ärger bereitet. Beobachte, was sich dabei in deinem Körper abspielt: Immer wenn du deine Aufmerksamkeit von einer Sache zur anderen oder von einer Person zur anderen verlagerst, wirst du mehr oder weniger subtile Veränderungen sowohl beim Atem als auch im Körper spüren. Wenn du diese ganz feinen Veränderungen klar und deutlich wahrnehmen kannst, dann gehe weiter zum…

3. Schritt:
Jetzt beginne zu üben, bei dem jeweiligen Körper- und Atemzustand zu verweilen und ihn kennenzulernen. Wenn du das aufmerksam und geduldig tust, wirst du in jedem dieser körperlichen Zustände auch ein Gefühl, eine Emotion entdecken. Mit der einen Sache fühlst du dich so, mit der anderen anders, mit einer dritten wieder anders… Fange nicht an zu überlegen, ob dieses Gefühl etwas über dich selbst, die Sache oder die Person aussagt, an die du denkst – je mehr du interpretierst, desto mehr verlagerst du dich wieder ins Denken und entfernst dich vom eigentlichen Fühlen.

Für mich ist die wichtigste Grundübung zum Fühlen, immer wieder meinen Atem zu spüren. Wo immer ich bin, erinnere ich mich: Atem spüren! Jeder bewusste Atemzug ist wie eine Heimkehr, bringt mich zu mir selbst zurück, in die Gegenwart, in meine Körperwohnung, wo mein Selbst zu Hause ist. Hier ist der Ort, wo Fühlen stattfindet!

Beherrscht vom Gefühl?

Fühlen in diesem Sinne bedeutet ganz etwas Anderes, als von Gefühlen beherrscht zu sein. Überschießende Emotionen sind sozusagen Sekundärgefühle, entstanden durch unsere eigenen Gedanken (anstelle des ursprünglichen Fühlens, was eine Art reiner Wahrnehmung ist). Zum besseren Verständnis ein letztes Beispiel:
Ich bin grantig auf dich, weil du mein Verhalten kritisiert hast. Mein Ärger beherrscht mich – ein äußerst unangenehmer Zustand. Deshalb sinne ich unentwegt darüber nach, wie ich diesen Zustand ändern kann: Ich könnte mich rächen und dich auf deine eigenen Fehler hinweisen, in der Hoffnung, dass ich mich dann wieder gut fühle – ich könnte es „schönreden“, indem ich mir sage, du hättest es ja nicht böse gemeint und überhaupt sei Kritik ja etwas Lehrreiches – ich könnte dich einfach anschreien oder mich betrinken oder dorthin auswandern, wo mich niemand mehr kritisiert und mich alle so nehmen, wie ich bin… Was immer ich auch denke oder tue, während ich mich ärgere – es geschieht aus einer Art Besessenheit heraus. Ich bin besessen von meinem Ärger.
Der Ärger bezieht sich in Wirklichkeit aber gar nicht auf dich, sondern auf mein eigenes Gefühl. ICH fühle mich nämlich schlecht, schuldig oder minderwertig, wenn jemand mich kritisiert. Und dieses Gefühl kann und will ich nicht fühlen, weil ich es unbewusst für eine Tatsache halte. Das heißt, dein Verhalten aktiviert einen meiner negativen Glaubenssätze über mich selbst, den ich irgendwann in ferner Vergangenheit (meist Kindheit) geprägt habe. „Ich bin schlecht.“ „Ich bin nichts wert.“ … oder Ähnliches. Das kann und will ich gar nicht fühlen, denn es ist eine existenzielle Katastrophe, wertlos zu sein.

Fühlen heilt

Wenn ich mir aber bewusst mache, dass ich nicht wertlos BIN, sondern mich wertlos FÜHLE, kann ich mein Herz für dieses Gefühl öffnen. Sobald ich es fühle, berührt es mein Innerstes, und mein Herz wird reagieren – mit einer Regung von Mitgefühl, Erbarmen, Respekt, Verständnis oder was immer dieses Gefühl vom Herzen braucht. Jedesmal, wenn so etwas geschieht, vollzieht sich eine große innere Wandlung. Von jemandem, der unbewusst davon überzeugt war, wertlos zu sein, verwandle ich mich in jemanden, der sich wertlos fühlt und dafür Erbarmen und Verständnis hat. Was für ein Unterschied! Man muss ihn erlebt haben, um zu verstehen, dass dies der alles entscheidende Unterschied ist in unserer Beziehung zu uns selbst, unseren Mitmenschen und unserem Schicksal.
Nun, da mein Herz offen ist für mein eigenes Gefühl, ist es auch offen für andere. Jetzt kann ich auch den Menschen wahrnehmen, der den Ärger in mir ausgelöst hat; ich kann fühlen, wie er sich fühlt, ohne eine eigene emotionale Reaktion davor zu schieben. Vielleicht war auch der Andere, als er mich kritisierte, von irgendeinem Ärger beherrscht. Vielleicht empfand er mein Verhalten ebenfalls herabwürdigend oder verurteilend. Vielleicht habe auch ich im Anderen ein Gefühl von Schlechtigkeit oder Minderwertigkeit ausgelöst. Jetzt kann ich auch der anderen fühlenden Person mein Herz öffnen, ohne dass es mir wehtut oder mich schädigt – im Gegenteil, es berührt mich und ist letztlich ein schönes Erlebnis. Das Erlebnis von Mitgefühl und Liebe.
Fühlen heilt. Bewusstes Fühlen eint uns, bringt unsere verschiedenen Schichten zusammen und verschafft uns ein Gefühl von Ganzheit und Lebendigkeit – und zwar unabhängig davon, WAS wir fühlen und WIE wir uns fühlen.

(c) Safi Nidaye www.safi-nidiaye.de