Das Leben nach der Esssucht – ein Bericht aus dem Alltag

Ein Leben mit Esssucht ist geprägt von dem Bemühen, eine gute Außenwirkung zu haben, idealerweise immer fröhlich, immer effizient, immer beschäftigt, immer kraftvoll.

Heute saß ich Mittags in meinem Lieblingslokal und es spielte dort eine Nummer, die ich sehr liebe:

Ich saß alleine an meinen Tisch, wartete auf mein Mittagessen und bewegte mich zur Musik, tanzen im Sitzen sozusagen, einfach aus Freude.

Manchmal tue ich Dinge im Alltag und erinnere mich dann plötzlich, wie es früher war. Und bin dann umso dankbarer, das heute erleben zu dürfen.

Früher wollte ich der Welt beweisen, wie gut ich drauf bin, wie gut es mir ging (obwohl es in meinem Inneren ganz anders aussah). Ich bewegte mich auch damals zur Musik, aber nicht nur aus innerer Freude heraus. Vielmehr hoffte ich, dass es „die anderen“ es sehen würden, mich loben würden für mein Bewegungskünste (Ruf nach Anerkennung) oder mich fragen würden, wie ich das hinbekomme, so gut gelaunt zu sein (Ruf nach noch mehr Anerkennung). Taten sie es nicht (natürlich taten sie es nicht) war ich enttäuscht und meine gute Laune fiel in sich zusammen. Wozu die Maske aufsetzen, wenn sie keiner sah?

Und heute? Ich mache meinen „Sitz-Tanz“, wenn es gerade stimmig ist, nicht um etwas zu erreichen. Es ist mir egal, ob ihn jemand sieht oder nicht. Solange ich nicht auf den Tisch hüpfe und das Geschirr heruntertrete, fällt mein Verhalten vermutlich sowieso nicht sonderlich auf 😉

Ich bin wie ich bin. Das macht das Leben viel einfacher und freier.

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